Ärzte Zeitung, 03.08.2004

Minimal-invasiv wird Nierenkrebs koaguliert

Radiofrequenz-Ablation bei Tumoren bis 4 cm / Option etwa bei Einzelniere oder bestehenden Op-Risiken

BONN (eb). Diagnose Nierenkrebs - oft bedeutet das für Betroffene, daß die Niere entfernt wird. Eine moderne Methode, die Radiofrequenz-Ablation (RFA), ist eine Alternative bei kleinen Tumoren. Mit RFA werden die Nierenkarzinome durch Hitze zerstört, und zwar minimal-invasiv. Die Niere selbst bleibt funktionstüchtig. Die Universität Bonn bietet die RFA zur Therapie bei Nierenkarzinomen bis 4 cm Durchmesser seit kurzem an.

CT-Längsschnitt (coronare Rekonstruktion): Am unteren linken Nierenpol sind die Antennen (Pfeil) der RFA-Sonde in einem Nierentumor erkennbar. Foto: Flacke

In Deutschland gibt es bis zu 11 000 Neuerkrankungen im Jahr, Tendenz steigend, teilt die Uni Bonn mit. Männer, meist zwischen 50 bis 60 Jahren, erkranken etwa doppelt so oft an Nierenkrebs wie Frauen. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten typische Symptome wie Blut im Urin oder Flankenschmerzen auf.

Inzwischen werden die meisten Nierentumoren zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Bei großen Tumoren wird die betroffene Niere radikal entfernt. "Bei kleinen Tumoren mit einem Durchmesser bis zu 4 cm wird jedoch heutzutage eine operative Ausschälung unter Erhalt der Niere bevorzugt", so Stefan Hauser, Assistenzarzt an der Urologischen Klinik der Universität Bonn.

"Ist jedoch Patienten aus allgemeinmedizinischer Sicht eine Operation nicht zumutbar, ist die RFA eine sinnvolle Alternative." Das gilt etwa auch für Patienten mit einer Einzelniere. Die Methode wird schon häufiger etwa zur Ablation bei Lebertumoren angewandt; sie wird auch von anderen deutschen Zentren angeboten.

Durch einen winzigen Hautschnitt, der anschließend nicht genäht werden muß, führen Radiologen eine Sonde an den Tumor des Patienten. Die Sonde ist so dünn wie eine Kugelschreibermine. Aus der Sondenspitze öffnen sich regenschirmartig mehrere Antennen in den Tumor hinein, die einen Kreis von bis zu 5 cm Durchmesser bilden. Die über die Antennen applizierten hochfrequenten Wechselströme erhitzen das Tumorgewebe und zerstören die Tumorzellen. Da der Zugangskanal ebenfalls erhitzt wird, ist eine Verschleppung von Tumorzellen nicht möglich.

Die eigentliche Therapie unter computertomographischer Kontrolle dauert zwischen zehn und 30 Minuten. "Die Patienten werden zur RFA entweder tief sediert oder erhalten eine Kurznarkose", sagte Privatdozent Sebastian Flacke, Oberarzt an der Radiologischen Universitätsklinik, zur "Ärzte Zeitung". Anhand der CT-Bilder können sich die Radiologen anschließend sofort ein Bild über den Therapieerfolg machen.

Zur Überwachung und Schmerztherapie bleiben Patienten nach RFA etwa zwei Tage in der Klinik. Um sicher zu sein, daß der Tumor restlos zerstört wurde, werden die Patienten nach acht bis zwölf Wochen erneut mit CT oder MRT untersucht, danach alle drei bis sechs Monate.

Ob sich die RFA für einen Patienten eignet, entscheiden Urologen und Radiologen gemeinsam für jeden einzelnen Patienten. Zum Beispiel ist die Methode bei Tumoren, die direkt neben dem Nierenbecken sitzen, nicht geeignet. Der Grund: Die Tumoren werden durch den Urin gekühlt und deshalb die nötigen Koagulationstemperaturen nicht erreicht.

Infos bei Assistenzarzt Stefan Hauser, Urologische Klinik des Universitätsklinikums Bonn, Sigmund-Freud-Straße 25, 53105 Bonn, Tel.: 02 28 / 287-51 09, E-Mail: stefan.hauser@ukb.uni-bonn.de

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