Ärzte Zeitung, 03.11.2004

Aprepitant schützt bei Chemotherapie anhaltend vor Erbrechen

Antiemetikum verhindert Erbrechen über mehrere Chemotherapiezyklen / Mittel auch bei moderat emetogener Therapie dauerhaft effektiv

WIEN (gvg). Das Antiemetikum Aprepitant kann bei vielen Patienten während und nach einer Chemotherapie Erbrechen verhindern. Zudem läßt seine Wirkung im Verlauf der Chemotherapie nicht nach.

Internationale Leitlinien empfehlen Aprepitant (Emend®) bereits zur Erstlinien-Therapie in Kombination mit anderen Antiemetika bei Patienten, die Chemotherapien mit über 90prozentigem Risiko von Übelkeit und Erbrechen - also eine hochemetogene Therapie - erhalten. Das orale Antiemetikum mit neuem Wirkmechanismus ist Gegenspieler des Botenstoffs Substanz P und bindet an den Neurokin-1-Rezeptor in der Area postrema des Hirnstamms.

  Drei Viertel der Patienten mußten sich nicht übergeben.

Eine neue Studie, die von Dr. Joern Herrstedt von der Universität Kopenhagen auf dem Europäischen Onkologenkongreß in Wien vorgestellt wurde, belegt, daß Aprepitant auch bei Chemotherapien mit 30- bis 90prozentigem Risiko von Übelkeit und Erbrechen (moderat emetogen) dauerhaft effektiv ist. An der Studie nahmen 866 Patienten teil, die eine häufig mit Erbrechen assoziierte Therapie aus Anthrazyklinen und Cyclophosphamid erhielten.

Jeweils am ersten Tag der Chemotherapiezyklen bekamen die Patienten in der Studie zur Vorbeugung von Erbrechen jeweils entweder nur eine Standardbehandlung aus dem Serotoninrezeptor-Antagonisten Ondansetron sowie Dexamethason oder zusätzlich noch 125 Milligramm Aprepitant. Am zweiten und dritten Tag nahmen die Patienten dann im Kontrollarm der Studie Ondansetron ein, im Verumarm 80 mg Aprepitant.

"Bei Aprepitant-Behandlung blieben im ersten Chemotherapiezyklus 76 Prozent der Patienten ohne eine einzige Erbre- chensepisode. In den Folgezyklen blieb die Quote konstant hoch zwischen 60 und 70 Prozent", so Herrstedt auf einer Veranstaltung des Unternehmens MSD.

Im Placeboarm mußten sich im ersten Zyklus 59 Prozent und in den Folgezyklen nur noch 40 bis 50 Prozent der Patienten übergeben. Komplettes Ansprechen - also kein Erbrechen und keine Notwendigkeit einer zusätzlichen Antiemesis - wurde unter Aprepitant bei 51 Prozent der Patienten erreicht und unter Standardtherapie bei 42 Prozent. Herrstedt: "Wenn wir Aprepitant prophylaktisch nutzen, können wir unseren Patienten bei einem der häufigsten Chemotherapieschemata jetzt erstmals sagen, daß es auch über mehrere Zyklen in zwei Dritteln der Fälle nicht zum Erbrechen kommt".

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