Ärzte Zeitung, 26.11.2004

Krebskranke nach Chemotherapie brauchen eine Immun-Regeneration

Münchner Arzt rät zu Mikronährstoffen und Selen / Studie bei Fatigue geplant

DÜSSELDORF (eis). Das Immunsystem von Krebspatienten wird durch eine Chemotherapie stark in Mitleidenschaft gezogen. Dr. Peter Holzhauer aus München empfiehlt daher ein Nebenwirkungsmanagement mit Immun-Regeneration und Ernährungstherapie.

Was haben Krebspatienten und Sportler nach einer großen Anstrengung gemeinsam? Beide haben einen gestiegenen Bedarf an Mikronährstoffen und Energie, der oxidative Streß und die immunologische Belastung sind erhöht, und beide sind stark erschöpft, hat der Arzt von der Veramed-Klinik am Wendelstein beim Medica-Kongreß berichtet. Der Unterschied: Sportler könnten sich regenerieren, Tumor-Patienten aber nicht, so Holzhauer bei einem Symposium zur Immun-Regeneration.

Bei einer Chemotherapie wendet Holzhauer in der Klinik eine multimodulare adjuvante Behandlung mit Psychotherapie und Sport an. Außerdem behandelt er die Patienten zur Immun-Regeneration hochdosiert mit Natriumselenit (1000 µg als Kurzinfusion vor der Chemotherapie sowie 300 µg oral an den Tagen ohne die zytostatische Behandlung). Zudem gibt er den Patienten ein Präparat mit bilanzierten Mikronährstoffen sowie L-Carnitin (zwei bis vier Gramm pro Tag).

Und schließlich achtet er bei den Patienten auf die Ernährung, "denn 50 Prozent der Tumorpatienten haben schon vor der Diagnose ungewollt an Gewicht verloren." Bei Unter- oder Mangelernährung werden die Krebskranken daher enteral mit Ernährungspräparaten oder auch mit Sondenkost ernährt. Durch diese Behandlung wird bei den Patienten mindestens die Lebensqualität verbessert, sagte Holzhauer.

In einer Untersuchung mit insgesamt 60 Patienten will Holzhauer jetzt belegen, daß eine solche Therapie auch gegen ein Leitsymptom bei Krebs, die Fatigue, wirkt. Obwohl 80 Prozent aller Krebspatienten unter der Müdigkeit mit Antriebsschwäche und Konzentrationsstörungen litten, gebe es bei nicht-anämiebedingter Fatigue bisher kein schlüssiges Behandlungskonzept, betonte Holzhauer.

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