Ärzte Zeitung, 14.01.2005

Krebs oder Hyperplasie - das klärt Spezialschall

Fokale noduläre Hyperplasie der Leber weist typisches Gefäßmuster auf / Häufig betroffen sind jüngere Frauen

MAGDEBURG (gwa). Die Power-Doppler-Sonographie kann bei Verdacht auf fokale noduläre Hyperplasie (FNH) die Diagnose sichern. Unter anderem das radspeichenartige Gefäßmuster in den Lebertumoren ist typisch für FNH. Weitere Untersuchungen einschließlich Punktion können den oft jüngeren Betroffenen erspart werden. Davon ist Dr. Steffen Rickes von der Universität Magdeburg überzeugt.

Typisch bei FNH ist aber nicht nur das Gefäßmuster, sondern auch, daß Betroffene viele Untersuchungen hinter sich haben, bis die FNH gesichert und damit die Gutartigkeit des Tumors festgestellt worden ist. "Immer wieder berichten die oft jüngeren Frauen, daß sie wegen Gallenkoliken mit Ultraschall untersucht worden sind. Dabei wurde ein Lebertumor gefunden, der dann als Ursache der Beschwerden angesehen wird", sagte Rickes zur "Ärzte Zeitung".

Die Frauen werden dann zu Computer- und Magnetresonanz-Tomographie, Szintigraphie und Punktion geschickt. "Es dauert oft Monate, bis endlich die Diagnose klar ist. Man kann sich vorstellen, was das für die Betroffenen bedeutet", sagte Rickes. Der Kollege weiß, wovon er spricht: "Zu uns kommt etwa eine Frau pro Woche wegen eines unklaren Lebertumors zur Untersuchung."

Dabei ist die Diagnose einfach, wie Rickes betont. Findet man etwa bei einer gesunden Frau zufällig einen Lebertumor, sollte eine Power-Doppler-Sonographie gemacht werden. Voraussetzungen sind ein gutes Gerät und Erfahrung. Dann sei die Diagnose FNH anhand des typischen Gefäßbefundes (radspeichenartiges Muster und niedriger Widerstand der Tumorarterien) so eindeutig, daß Rickes eine Punktion zur histologischen Beurteilung eigentlich für überflüssig hält. Ob man auf eine Histologie generell verzichten kann, muß aber noch in Studien geklärt werden, wie Rickes und seine Kollegen in einer Kasuistik zu FNH betonen (Dig Dis 22, 2004, 92).

Die Inzidenz der FNH beträgt etwa 10 zu 100 000. Frauen sind fünfmal häufiger betroffen als Männer; jüngere Frauen häufiger als ältere. "Heute geht man davon aus, daß die FNH angeboren ist und im Lauf des Lebens wächst", so Rickes. Daß hormonelle Ovulationshemmer FNH auslösen, sei nie bewiesen worden. Möglicherweise handele es sich um eine Scheinkorrelation, da jüngeren Frauen oft die Pille einnehmen.

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