Ärzte Zeitung, 01.02.2005

PET / CT - ein starkes Gespann in der Tumordiagnostik

Universität Tübingen hat ultramodernes Kombi-Gerät in Betrieb genommen / Fusionsbilder zur Früherkennung von Metastasen und Rezidiven

TÜBINGEN (ars). Das nach Universitätsangaben europaweit modernste PET/CT-Gerät mit schnellen und zugleich hochleistungsfähigen Detektoren ist in der Universität Tübingen offiziell in Betrieb genommen worden. Mit dem Gerät läßt sich eine gesteigerte Stoffwechselaktivität von Geweben und gleichzeitig ihre genaue Lage mit hoher räumlicher Auflösung darstellen. Gerade Tumoren sind auf diese Weise sehr früh zu erkennen.

PET/CT: Auf der PET-Aufnahme (links) ist der Lungentumor (Pfeil) erkennbar. Normal ist die verstärkte Markierung von Leber, Milz und Nieren. Das mittlere Bild zeigt eine koronare Rekonstruktion der CT-Daten. Rechts ein Fusionsbild: Die Lage des Tumors zu anderen Strukturen ist gut zu sehen. Fotos: Baptist Hospital Hongkong / Siemens

Hybride Geräte, die sowohl PET (Positronen-Emissions-Tomographie) als auch CT (Computer-Tomographie) in sich vereinen, werden seit etwa drei Jahren verwendet. Das berichtete Professor Claus Claussen von der Universität Tübingen bei der Einweihung des LSO High-Rez Biograph 16 von Siemens Medical Solutions im Beisein des baden-württembergischen Wirtschaftsministers Ernst Pfister. 3,4 Millionen Euro haben Bund und Land in den Tomographen und seine Aufstellung investiert.

Bislang hatten nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin zehn Institute in Deutschland PET/CT-Geräte. Tübingen hat von der Deutschen Forschungsgemeinschaft den Zuschlag für die Evaluierung der neuen Technik erhalten.

Tumoren ab 5 mm Durchmesser werden sicher geortet

Die Kombination beider Verfahren gleiche Nachteile der einzelnen aus, so Claussen. Mit der PET läßt sich zwar der gesteigerte Energiestoffwechsel der sich rasch teilenden Krebszellen mit radioaktiv markierten Molekülen hochspezifisch sichtbar machen. Woran es aber hapert, ist die räumliche Zuordnung. Dieses Manko macht die CT mit ihren fein strukturierten, dreidimensionalen Schichtbildern wieder wett. So erlaubt es das neue Gerät mit seinem 16-Zeilen-Multi-Detektor, Herde ab einem Durchmesser von 5 mm zu erkennen und genau zu orten. Das gelingt sogar in der Lunge, wo die Messung durch Artefakte der Atembewegungen erschwert wird.

Angewandt wird die kombinierte Methode immer dann, wenn es gilt, die Ausdehnung einer Geschwulst, die Verteilung von Metastasen und die Wirksamkeit einer onkologischen Therapie zu bestimmen oder Rezidive sehr früh zu erkennen. Indikationen sind etwa Verdacht auf Bronchial-Ca, Melanom oder Leukämie.

Die Untersuchung geschieht in zwei Durchgängen: Zunächst wird intravenös eine Substanz injiziert, die für die Tumorart typisch ist, allerdings chemisch abgewandelt und radioaktiv gekennzeichnet. Diesen oft eigens in der Abteilung Radiopharmazie der Universität hergestellten Tracer, meist ein Zucker, aber auch Proteine oder andere Verbindungen, reichern die Krebszellen wegen ihres erhöhten Stoffwechsels stark an. Während der Wartezeit von 15 bis 60 Minuten, in der sich das Mittel im Körper verteilt, trinkt der Patient ein Kontrastmittel für die CT.

Als erstes wird die etwa 15 bis 20 Sekunden dauernde CT-Aufnahme gemacht, anschließend, während der folgenden etwa 20 Minuten, die PET-Untersuchung. Eine spezielle Software vereint dann die beiden Bildsorten. Würde man die Aufnahmen mit zwei Geräten machen, wäre der Zeitaufwand wesentlich höher und die Genauigkeit geringer.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (Internetadresse www.nuklearmedizin.de) kann man erfragen, welche Institute über ein PET/CT-Gerät verfügen. Tel.: 05 51 / 37 07 53 85 oder auch per E-Mail: info@nuklearmedizin.de

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