Direkt zum Inhaltsbereich

Enzym bahnt neuen Blutgefäßen den Weg

FRANKFURT AM MAIN (ars). Das Enzym Cathepsin L trägt entscheidend zur Bildung neuer Blutgefäße bei, wie eine Arbeitsgruppe an der Universität Frankfurt am Main herausgefunden hat. Damit ermöglicht es einerseits die Versorgung von ischämischem Gewebe mit Sauerstoff, aber auch das Wachstum von Tumoren. Im Umkehrschluß bedeutet dies, daß ein Hemmstoff des Cathepsins ein wirksames Zytostatikum sein könnte.

Veröffentlicht:

Früher wurde die Neoangiogenese mit der Wanderung und Proliferation von vollständig differenzierten Endothelzellen in Zusammenhang gebracht. Aktuelle Studien jedoch lieferten zunehmend Hinweise, daß nur im Blut zirkulierende, aus dem Knochenmark stammende endotheliale Vorläuferzellen neue Blutgefäße sprießen lassen.

Entsprechend besserte eine intravenöse Infusion von Vorläuferzellen nach Ischämie die Neovaskularisation und die Herzfunktion bei Versuchstieren, ebenso wie bei Patienten in ersten klinischen Studien.

Daher haben Professor Stefanie Dimmeler und ihre Kollegen die Genexpression von Vorläufer- und reifen Endothelzellen verglichen, um Faktoren zu finden, die für die Fähigkeit zur Neovaskularisation bedeutsam sind (Nat Med 11, 2005, 206).

Die Wissenschaftler entdeckten, daß besonders das Eiweiß-spaltende Cathepsin L in Vorläuferzellen vermehrt synthetisiert wird, nicht aber in ausgereiften Zellen. Daß wirklich Cathepsin L die entscheidende Komponente ist, konnten sie durch Versuche mit Mäusen belegen: Infundierte Vorläuferzellen, denen die Fähigkeit zur Cathepsin-Synthese fehlte, verbesserten in Ischämie-Gebieten die Blutzufuhr nicht.

Veränderten die Wissenschaftler umgekehrt reife Endothelzellen so, daß sie Cathepsin L vermehrt ausschütteten, stieg deren Kraft, in Gewebe einzudringen, beträchtlich.

Eiweißspaltende Enzyme wie das Cathepsin L sind für das Sprossen neuer Blutgefäße deshalb so wichtig, weil sie die aus Kollagen Typ IV, Laminin, Fibronectin und vielen anderen Makromolekülen bestehende Matrix zerlegen und damit überhaupt erst einen Weg für die Gefäße bahnen.

So sind diese lysosomalen Enzyme maßgeblich beteiligt an der Bildung neuer Blutgefäße nach der Geburt und nach Unterbrechung der Blutzufuhr, aber auch an Tumorinvasion und Metastasierung. Nun besteht die Hoffnung, mit einem Hemmstoff des Cathepsins L ein wirksames Krebsmittel zu finden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Das könnte Sie auch interessieren
Logo Digiteneers - Vertidisan

© Digitineers

Digitineers

Bei Schwindel – Vertidisan®: Die Therapie-App

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Doctolib

Doctolib

Mehr Service: KI-Assistenz rund um die Privatbehandlung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Besser als Atemtherapie?

Supragastrisches Aufstoßen lässt sich mit Gesang vertreiben

Lesetipps
Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Ein Arzt zählt mit den Fingern bis Drei.

© Arnéll Koegelenberg/peopleimages.com/stock.adobe.com

Regionaler Multimorbiditäts-Vergleich

Wo es relativ viele Ü-50-Jährige mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen gibt