Ärzte Zeitung, 13.09.2005

Hirntumor-Patienten profitieren von Op plus Chemotherapie

Mit Temozolomid läßt sich das Fortschreiten der Erkrankung in der Primär- und Rezidivtherapie viele Wochen aufhalten

MÜNCHEN (sto). Die Prognose von Patienten mit einem Glioblastom ist nach wie vor ungünstig. Bei der Behandlung solcher Patienten geht es vor allem um eine Verlängerung der Überlebenszeit bei bestmöglicher Lebensqualität und dem Erhalt der neurologischen Funktionen. Mit einer zusätzlichen Chemotherapie gelingt es, die progressionsfreie Zeit zu verlängern.

Erste Therapiemaßnahme bei malignen Gliomen (Glioblastomen) ist die Op zur Reduktion der Tumormasse, wie Professor Ulrich Bogdahn von der Universität Regensburg sagt.

In einer Studie mit 128 chirurgisch behandelten Patienten mit malignen Gliomen in den späten Stadien vom WHO-Grad III und IV wurde jetzt retrospektiv analysiert, ob eine Chemotherapie über sechs Zyklen hinaus bis zur Tumorprogression oder bis zum Rezidiv zu einer Verlängerung der Überlebenszeit führt.

Von den 128 Patienten erhielten 64 Patienten Temozolomid (Temodal®) als Primärtherapie und 55 als Rezi-divbehandlung, wie Bogdahn bei einer Veranstaltung des Unternehmnens Essex Pharma in München berichtet hat. Die meisten Patienten wurden mit einer Standarddosierung über fünf Tage in vierwöchigem Zyklus behandelt.

Bei Primärtherapie erhielten die Patienten im Median 13 Zyklen über 56 Wochen. Bei Rezidivtherapie bekamen die Patienten im Median 14 Zyklen über einen Zeitraum von 62 Wochen. Manche Patienten erhielten bis zu 44 Therapiezyklen.

In der Primärtherapie erreichten einige Patienten eine progressionsfreie Zeit bis zu 160 Wochen und in der Rezidivtherapie bis zu 176 Wochen, wie Bogdahn berichtete.

Die Toxizität der Langzeittherapie sei nicht stärker gewesen als eine sonst übliche Chemotherapie mit sechs Zyklen. Bei 13 Patienten traten eine Leukopenie, bei sieben Patienten eine Thrombozytopenie, bei sieben Patienten gastrointestinale unerwünschte Wirkungen und bei fünf Patienten ein Infekt auf.

Temozolomid ist für die Therapie bei rezidiviertem oder progredientem Glioblastom sowie beim anaplastischen Astrozytom nach Standardtherapie zugelassen. Seit kurzem ist das Mittel auch zur Primärtherapie bei Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom zugelassen.

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