Ärzte Zeitung, 11.10.2005

Retardiertes Zytostatikum neue Option bei Tumor-Meningitis

Cytosin-Arabinosid in neuer Galenik / Statt alle zwei Tage muß die Substanz nur noch alle zwei Wochen in den Liquorraum appliziert werden

MÜNCHEN (sto). Für Krebspatienten mit Tumor-Meningitis gibt es nur wenige Therapie-Optionen. Außer einer Bestrahlung ist derzeit nur die Applikation von Methotrexat und/oder Cytosin-Arabinosid (Ara C) in den Liquorraum möglich. Mit Ara C in einer neuen Galenik und Applikationsform läßt sich nun die Remissionsrate verbessern.

Die bisherige Behandlung sei für die Patienten schmerzhaft und belastend, sagte Dr. Mathias Schmid von der Universität Ulm. Wegen der kurzen Halbwertszeit der Medikamente müsse die Prozedur alle zwei bis drei Tage wiederholt werden. Nur maximal 30 bis 50 Prozent der Patienten sprächen auf die Behandlung und meist nur kurzfristig an. Auch sei nicht nachgewiesen, daß sich mit der Therapie die Progression der Erkrankung signifikant bremsen oder die Gesamtüberlebenszeit verlängern lasse.

    Mit dem Mittel in neuer Galenik lassen sich die Remissionsraten verbessern.
   

Die neue Galenik und Applikationsform von Ara C (liposomales AraC, DepoCyte®) sei ein deutlicher Fortschritt, sagte Schmid bei einer Pressekonferenz von Mundipharma in München. Dabei handele es sich um eine retardierte Form von Ara C, das in eine schaumige Trägersubstanz (DepoFoam™) verpackt ist.

Die Substanz müsse lumbal oder ventrikulär nur alle zwei bis vier Wochen verabreicht werden. In einer randomisierten Studie mit 35 Patienten mit Meningeosis lymphomatosa, dem ZNS-Befall bei einem Non-Hodgkin-Lymphom, wurde bei 72 Prozent der mit der retardierten Form von Ara C behandelten Patienten eine Remission erzielt, dagegen nur bei 18 Prozent bei den mit nicht-liposomal formuliertem Ara C behandelten Patienten.

Die mediane progressionsfreie Überlebenszeit betrug 77 und 48 Tage, der Anteil der nach zwölf Monaten noch lebenden Patienten lag bei 24 Prozent in der Verumgruppe, in der Vergleichsgruppe dagegen nur bei 19 Prozent.

Daß das Gesamtüberleben nicht signifikant verlängert werden konnte, hängt nach Schmids Angaben vor allem damit zusammen, daß die betroffenen Patienten außer dem Li-quorbefall auch noch weitere Lymphom-Manifestationen haben, an denen die meisten sterben.

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