Ärzte Zeitung, 26.01.2006

Laser-Ablation verkocht Tumoren in der Leber

Langzeitstudie nach Laser-Ablation von Lebermetastasen / Patienten überleben ebenso lange wie nach Operation

FRANKFURT/MAIN. Krebspatienten mit Lebermetastasen überleben mindestens ebensolange wie nach chirurgischer Resektion der Metastasen, wenn sie stattdessen ambulant mit der Laser-Ablation behandelt worden sind. Das berichten Radiologen von der Universität Frankfurt am Main. Sie stützen sich auf Zwölfjahresdaten bei mehr als 800 Patienten mit Kolorektalkrebs.

Bild zeigt Leber-Metastase vor Laser-induzierter interstitieller Thermotherapie. Fotos (3): M. Mack, Uni Frankfurt/Main Leber-Metastase 24 Stunden nach Laser-induzierter interstitieller Thermotherapie. Auf dem linken Bild ist die Darstellung ohne Kontrastmittel-Verstärkung zu sehen. Das rechte Bild entstand nach der Hinzugabe eines Kontrastmittels.

Von Thomas Meissner

Bei der Laser-Ablation LITT (Laser-induzierte interstitielle Thermotherapie) werden die Lebermetastasen mit transdermal applizierten Sonden verkocht. Das habe im Vergleich zur offenen Resektion viele Vorteile, sagte Privatdozent Martin Mack vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie zur "Ärzte Zeitung".

So liege die 30-Tage-Sterberate nach der Operation zwischen zwei und fünf Prozent, nach LITT dagegen unter 0,2 Prozent. Die Morbidität nach der Operation sei ungleich höher: So müssen die Patienten meist noch mehrere Tage auf der Intensivstation und mehrere Wochen im Krankenhaus bleiben. Die LITT dagegen erfolgt ambulant mit einer Lokalanästhesie.

Die Überlebensrate beträgt im Mittel fast vier Jahre

Die mittlere Überlebensrate in der Studie mit 839 Patienten mit Kolorektalkarzinom und Lebermetastasen betrug nach Macks Angaben 3,8 Jahre nach Diagnose der Metastasen. Bei Patienten mit kurativem Therapieziel - das sind 78 Prozent der Studienteilnehmer mit fünf Lebermetastasen oder weniger und ohne extrahepatische Absiedlungen - waren es durchschnittlich vier Jahre.

In der Palliativgruppe - 22 Prozent der Teilnehmer mit mehr als fünf Metastasen und/oder extrahepatischen Absiedlungen - waren es 2,8 Jahre. Insgesamt lebte nach drei Jahren noch die Hälfte der behandelten Patienten, nach fünf Jahren noch jeder Vierte. Mack kann außerdem auf gute Überlebensraten bei mehr als 330 Brustkrebs-Patientinnen mit Lebermetastasen verweisen: Das Fünfjahresüberleben betrug 39 Prozent.

Kritikern, die der Frankfurter Arbeitsgruppe um Professor Thomas Vogl vorwerfen, ihre Daten nie randomisiert überprüft zu haben, antwortet Mack: "Auch mit den besten Chemotherapien werden nur mittlere Überlebensraten von 15 bis 20 Monaten erzielt." Angesichts der inzwischen allein in Frankfurt am Main vorliegenden Erfahrungen mit 1800 Patienten hält er es für unethisch, LITT gegen Chemotherapie zu testen. Auch zur Operation bei Lebermetastasen existieren nach Macks Angaben keine randomisierten Studien.

Ein vom Bundesforschungsministerium geförderter randomisierter Vergleich von LITT und chirurgischer Resektion mußte abgebrochen werden - die Patienten hatten es nach der Aufklärung schlicht abgelehnt, operiert zu werden.

Nicht ganz zu unrecht. Denn die Laser-Ablation kann bei Bedarf problemlos wiederholt werden, mehrfache Resektionen sind dagegen oft nicht möglich. Denn es muß aus Sicherheitsgründen viel gesundes Lebergewebe mit reseziert werden.

Außerdem komme es nach der Resektion zur Zell-Stimulation durch Wachstumsfaktoren, was bislang unsichtbare Mikrometastasen schnell wachsen lasse, so Mack. Folge: Fast 60 Prozent der Patienten nach Resektion haben innerhalb eines Jahres neue Metastasen in der Leber.

Mit LITT kann bei multiplen Metastasen zudem in beiden Leberlappen abladiert werden. Chirurgen müssen sich dagegen auf die Resektion eines Leberlappens beschränken.

Die Grenzen der LITT liegen derzeit bei Metastasen mit mehr als fünf Zentimeter Durchmesser sowie bei mehr als fünf Absiedlungen in der Leber. Denn dann wird das Verfahren sehr aufwendig. Außerdem müsse der Körper es schaffen, das komplette verkochte Gewebe abzutransportieren, sagt Mack. Bei multiplen Lebermetastasen kommen zudem oft zusätzlich extrahepatische Metastasen vor, so daß die lokale Laser-Behandlung onkologisch sinnlos wäre.

Große Metastasen sind weiter Sache der Chirurgen

Bei solchen Patienten plädiert Mack für eine Kombination aus Chemotherapie und Laser-Ablation. So könnte die Erkrankung zunächst mit einer systemischen Behandlung zurückgedrängt werden, oder Metastasen würden mit einer lokalen Zytostatika-Applikation verkleinert, bevor die Laser-Ablation erfolgt. Große solitäre oder einzelne Metastasen seien nach wie vor Sache der Chirurgen.

"Wir sollten nicht gegeneinander arbeiten, sondern miteinander", ruft der Radiologe seine onkologischen und chirurgischen Kollegen auf. Leider würden viele Patienten mit Lebermetastasen in Deutschland, die von einer Resektion oder Ablation profitieren würden, ausschließlich chemotherapeutisch behandelt.

Weitere Infos zu LITT gibt es etwa unter www.kgu.de/zrad/diagnostik sowie unter www.litt.info

STICHWORT

LITT

Bei der Laser-induzierten interstitiellen Thermotherapie (LITT) wird eine Lebermetastase nach Lokalanästhesie und unter computertomographischer Kontrolle perkutan punktiert. Danach führt der behandelnde Arzt eine Glasfasersonde ein, über die Laserlicht appliziert und so das bösartige Gewebe in einem Umkreis von etwa 2 cm zerstört wird. Dies erfolgt unter Kontrolle im Magnetresonanztomographen, in dem die Ausbreitung der Hitze genau verfolgt und gesteuert werden kann. Die gesamte Prozedur dauert etwa eineinhalb Stunden. Die Kosten der Behandlung betragen je nach Aufwand 3500 bis 7000 Euro. Die gesetzliche Krankenversicherungen erstatten diese Behandlungskosten oft nicht. (ner)

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