Ärzte Zeitung, 29.05.2006

Wie hoch ist Belastung durch Röntgenstrahlen tatsächlich?

Deutschland liegt beim Einsatz medizinischer Röntgenstrahlen hinter Japan und den USA / 1,8 Millisievert pro Jahr und erwachsenem Patienten

BERLIN (gvg). Deutschland wird oft als Weltmeister beim Einsatz medizinischer Röntgenstrahlen bezeichnet. Japan und die USA stehen aber noch vor Deutschland. Mit einer Studie wird jetzt ermittelt, wieviel der Röntgenstrahlen-Dosis auf nicht-krebskranke Menschen in Deutschland entfällt.

Ein Kollege wertet CT-Bilder aus. CT-Untersuchungen verursachen die Hälfte der durchschnittlichen Strahlendosis. Foto: dpa

"Die zivilisatorische Strahlenexposition in Deutschland und anderen Industrienationen geht vor allem auf das Konto medizinischer Strahlenanwendung", sagte Privatdozent Gunnar Brix vom Bundesamt für Strahlenschutz beim Röntgenkongreß in Berlin.

Die errechnete mittlere medizinisch bedingte Dosisintensität, der ein erwachsener Deutscher pro Jahr derzeit ausgesetzt werde, liege bei 1,8 Milli-Sievert (mSv). Die Hälfte davon, - also 0,9 mSv - gehe auf das Konto der Computertomographie (CT), obwohl sie nur sechs Prozent aller Untersuchungen ausmache, so Brix.

Für den Titel des Strahlenweltmeisters reichen diese Zahlen nicht ganz: In Japan machen allein die CT-Untersuchungen im Mittel 2,3 mSv pro Person und Jahr aus, in den USA sind es 1,6 mSv. "Wir sind aber international doch klar in der Spitzengruppe", betonte Brix.

Wie gefährlich sind diese Belastungen? Eine vor zwei Jahren in der Zeitschrift "The Lancet" publizierte Untersuchung hatte auf Basis dieser Daten für Deutschland etwa 2000 theoretisch durch Strahlen bedingte Krebserkrankungen pro Jahr errechnet. Zum Vergleich: Dem Rauchen werden 50 000 Krebserkrankungen pro Jahr zugeschrieben.

Brix warnte davor, die Zahl 2000 wörtlich zu nehmen. Nicht berücksichtigt werde etwa, daß die medizinisch bedingte Strahlungsintensität sehr ungleich verteilt sei. Ein Beispiel: In einer in Berlin präsentierten Pilotstudie mit 106 Patienten mit Pankreaskarzinom ermittelten Brix und seine Kollegen eine kumulative Jahresdosis von 67 mSv.

Ein großer Teil der Belastung entfalle auf Tumorpatienten mit reduzierter Lebenserwartung. Für sie sei eine mögliche Induktion von Zweittumoren, die Jahrzehnte später entstehen würden, nicht relevant, sagte Brix. Jetzt läuft eine größere Studie zur Ermittlung der Dosis bei Tumorerkrankten. Daraus lasse sich auch schließen, wieviel Strahlenbelastung in Deutschland auf die nicht krebskranke Bevölkerung entfällt.

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