Ärzte Zeitung, 20.11.2006

Antiemesis-Leitlinien für Chemo aktualisiert

Fortschritte durch neue 5-HT3-Antagonisten

MÜNCHEN (wst). Übelkeit und Erbrechen sind noch immer die von Krebspatienten am meisten gefürchteten Wirkungen der Therapie. Um so wichtiger ist, die Möglichkeiten etablierter antiemetischer Prophylaxe auszuschöpfen und neue Substanzen zu suchen.

Warten auf die Infusion. Foto: Photodisc

Auf diese Weise soll auch jenen Patienten, die auf die derzeit verfügbaren Alternativen nicht ausreichend ansprechen, geholfen werden können. Ein Meilenstein in der antiemetischen Prophylaxe und Therapie war die Einführung effektiver 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten Anfang der 90er Jahre. Das hat Professor Petra Feyer vom Vivantes Klinikum Berlin-Neukölln bei einem Workshop zur Supportivtherapie in der Onkologie betont.

In der primär anzustrebenden Prophylaxe könne der Effekt der 5-HT3-Antagonisten durch die Kombination mit Kortikosteroiden oder Neurokinin-1-(NK)-Antagonisten gesteigert werden, so Feyer bei der von Gilead Sciences, Mundipharma, Ribosepharm und Sanofi-Aventis unterstützten Veranstaltung.

Als Innovation bezeichnete Feyer den ersten 5-HT3-Antagonisten der zweiten Generation Palonosetron (Aloxi®) und den NK1-Antagonisten Aprepitant (Emend®). Palonosetron bindet hoch selektiv und mindestens 30mal stärker an den Rezeptor als ältere 5-HT3-Antagonisten. Durch die längere Halbwertszeit von 40 Stunden genügt pro Chemotherapie-Zyklus eine einmalige i.v.-Infusion.

Feyer sagte, daß die Chemotherapie-Kombination Cyclophosphamid plus Doxorubicin in die Liste der hoch emetogenen Therapien in aktuellen Therapie-Empfehlungen aufgenommen wurde. Es handelt sich dabei um die weitgehend übereinstimmenden Empfehlungen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) und der Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC).

So solle zum Beispiel bei hoch emetogenen Chemotherapien gegen die akute Emesis vorbeugend ein 5-HT3-Antagonist plus Dexamethason plus Aprepitant gegeben werden. Als Prophylaxe gegen die verzögerte Emesis bei hoch emetogener Chemotherapie empfehlen die Fachgesellschaften eine Anschlußtherapie mit Dexamethason plus Aprepitant.

Die Leitlinien von MASCC und ASCO zur antiemetischen Prophylaxe und Therapie in der Onkologie gibt es im im Internet unter: www.mascc.org und www.asco.org

STICHWORT

Emetogenität

Nach den aktualisierten Leitlinien wird die Emetogenität einer Chemotherapie in vier Stufen eingeteilt: Als hoch emetogen gilt, wenn ohne Vorbeugung erfahrungsgemäß über 90 Prozent der behandelten Patienten unter Übelkeit und Erbrechen leiden. Moderat emetogen ist eine Chemotherapie, wenn 30 bis 90 Prozent der Behandelten die Nebenwirkungen entwickeln. Als niedrig emetogen wird eine Chemotherapie eingestuft, wenn ohne Prophylaxe bei 10 bis 30 Prozent der Behandelten Übelkeit und Erbrechen zu erwarten sind. Ist mit diesen Wirkungen bei weniger als 10 Prozent der Patienten zu rechnen, wird eine solche Chemotherapie als minimal emetogen eingestuft. (wst)

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