Ärzte Zeitung, 12.09.2006

Kriterien zur Prophylaxe bei Tumorlyse-Syndrom

Seltenes Ereignis bei Krebstherapie ist lebensbedrohlich / Entscheidungsmodell wird international erarbeitet

MÜNCHEN (wst). Das Tumorlyse-Syndrom bei Krebspatienten - etwa mit einer Leukämie - ist zwar selten, aber lebensbedrohlich. Derzeit arbeiten Onkologen an einer Entscheidungshilfe, um Diagnostik und frühzeitige Therapie bei dieser Komplikation zu verbessern.

Ein Tumorlyse-Syndrom (TLS) entsteht, wenn große Mengen Tumorzellen infolge einer besonders effektiven Therapie oder auch einer massiven Spontan-Apoptose rasch sterben. Die zellulären Abbauprodukte bewirken dann eine metabolische Entgleisung und eine Niereninsuffizienz.

Daran hat Professor Günter Henze von der onkologischen Kinderklinik der Charité Berlin erinnert. Möglich sei, daß manches nicht näher spezifizierte Multiorganversagen bei Krebspatienten in Wirklichkeit auf einem TLS beruht, so Henze bei dem unter anderen vom Unternehmen Sanofi-Aventis ausgerichteten Workshop in München.

Krebserkrankungen, bei denen überdurchschnittlich oft mit einem TLS zu rechnen ist, sind akute Leukämien, hochmaligne Lymphome und generell schnell proliferierende Tumoren, die deshalb auch meist gut auf eine initiale Therapie ansprechen.

Prävention und Therapie beim TLS konnten durch Einführung der Rasburicase (Fasturtec®) entscheidend verbessert werden, wie es in München hieß. Rasburicase ist ein rekombinantes Urat-Oxidase-Enzym, welches Harnsäure in wasserlösliches Allantoin umwandelt.

Um einem TLS vorzubeugen und bei Betroffenen möglichst rasch eine Therapie einleiten zu können, werde derzeit in internationaler Zusammenarbeit ein Entscheidungsmodell für die Anwendung in der Klinik erarbeitet,  so Henze.

Zur Beurteilung des individuellen TLS-Risikos sollen nach Punkten gewichtet dabei etwa folgende Parameter berücksichtigt werden: Alter und Geschlecht, Body-Mass-Index, Nierenstatus, Kreatinin-Clearance, Beeinträchtigung der Nierenfunktion durch den Tumor, Art der malignen Erkrankung und der Chemotherapie.

Das Entscheidungsmodell soll voraussichtlich ab 2007 für die allgemeine Anwendung in Praxis und Klinik zur Verfügung stehen.

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