Ärzte Zeitung, 31.01.2007

Dreierkombination schützt gut vor Erbrechen

Emesis infolge einer Zytostatikatherapie lässt sich bei vier von fünf Patienten gut unterdrücken

LEIPZIG (scho). Werden Antiemetika bei einer Zytostatika-Therapie den Leitlinien entsprechend genutzt, lässt sich bei mehr als 80 Prozent der Tumorpatienten ein Erbrechen verhindern.

Unerwünschte Folgen der Krebstherapie dürfen nicht unterschätzt werden. In einer großen Studie aus dem Jahre 2004 befragten Wissenschaftler mehr als 5000 Patienten in onkologischen Praxen, wie sie mit der Therapie zufrieden seien. 39 Prozent der Patienten klagten dabei über unerwünschte Wirkungen der Therapie und 30 Prozent über die Symptome der Erkrankung.

Das hat Professor Petra Feyer aus Berlin bei der Tagung der deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) in Leipzig berichtet.

Die Analyse der Daten zu den unerwünschten Wirkungen ergab: Mehr als 60 Prozent der Patienten betrachten Müdigkeit und Erschöpfung als Problem im Krankheitsverlauf. Für 51 Prozent stand Übelkeit an erster Stelle. Diese Daten sind nach Angaben von Feyer ein Signal dafür, wie notwendig eine gute Supportivtherapie ist.

Viele Ärzte seien der Meinung, die begleitende Behandlung zu beherrschen, so Feyer bei einer vom Unternehmen cell pharm unterstützten Veranstaltung. Wichtig sei, die Leitlinien möglichst genau umzusetzen. Auch Dr. Karin Jordan von der Universitätsklinik Halle-Wittenberg wies darauf hin, dass bei hoch emetogenen wie auch bei moderat emetogenen Zytostatika-Therapien eine adäquate Prophylaxe erforderlich ist.

Gerade die verzögerte Emesis, die frühestens 24 Stunden nach der Chemotherapie auftrete, werde aber oft unterschätzt, so Jordan. Hierbei habe sich der NK1-Rezeptor-Antagonisten Aprepitant als wirksam erwiesen. Außerdem seien 5-HT3-Rezeptorantagonisten wie Ondansetron (cellondan®) aus der Therapie und Prophylaxe der Emesis nicht mehr fortzudenken.

Internationalen Leitlinien zufolge soll vor einer hoch emetogenen Therapie, zum Beispiel mit Cisplatin, eine antiemetische Dreifachkombination verordnet werden. Zu den Komponenten sollen ein 5-HT3-Rezeptorantagonist, Dexamethason und Aprepitant gehören.

Bei einem moderaten Emesisrisiko wird eine Zweifachkombination mit einem 5-HT3-Rezeptorantagonisten und Dexamethason empfohlen. Mit einer solchen leitliniengerechten Prophylaxe lasse sich das Chemotherapie-induzierte Erbrechen bei nahezu 80 Prozent der Patienten verhindern und die Lebensqualität erheblich verbessern, sagte Jordan.

Leitlinien zur Supportivtherapie sind verfügbar unter: http://www.onkosupport.de und http://www.mascc.org

STICHWORT

NK1-Rezeptorantagonisten

NK1-Rezeptoren (Neurokinin-1-Rezeptoren) finden sich im emetischen Zentrum des Hirnstamms sowie im Magen-Darm-Trakt. Substanzen, die diesen Rezeptor blockieren, verhindern wirkungsvoll das Erbrechen. Aprepitant ist die erste Substanz dieser Klasse, die für die allgemeine Anwendung zur Verfügung steht. (scho)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »