Ärzte Zeitung, 19.02.2007

Starker Effekt bei neuem Somatostatin-Analogon

Option bei neuroendokrinen Tumoren / Pasireotid bindet an vier von fünf Somatostatin-Rezeptoren

MAINZ (hbr). Wenn bei Patienten mit neuroendokrinen Tumoren die üblichen Therapien nicht mehr reichen, kann ein neuer Therapie-Ansatz weiterhelfen. Erste klinische Daten dazu gibt es mit Pasireotid bei Patienten, bei denen der Tumor trotz Therapie weiterwuchs, und bei Patienten mit Karzinoidsyndrom, deren Durchfälle fortbestanden.

Pasireotid ist eine Weiterentwicklung des Somatostatin-Analogons Octreotid (Sandostatin®). Octreotid hemmt die Hormonproduktion der Tumoren, etwa von Serotonin, und teilweise auch ihr Wachstum. Es bindet dabei an zwei der körpereigenen Somatostatin-Rezeptoren. Bei Pasireotid hoffen Wissenschaftler auf noch stärkere Effekte, weil diese Substanz gleich an vier von fünf Rezeptor-Subtypen andockt.

Erste Daten von 45 Patienten mit Karzinoidsyndrom sprechen für den stärkeren Effekt. Das berichtete Privatdozent Marianne Pavel von der Universität Erlangen bei einer Veranstaltung des Netzwerks Neuroendokrine Tumoren in Mainz. Die Studien-Teilnehmer waren zuvor bereits mit der Somatostatin-Depotform Octreotid-LAR behandelt worden, hatten aber dennoch täglich mindestens vier flüssige Stühle oder zwei Flush-Anfälle. In der Untersuchung erhielten sie zweimal täglich bis zu 1200 µg Pasireotid subkutan injiziert.

Nach sechs Monaten hatten sich bei jedem Vierten die Symptome verringert, und bei neun der elf Patienten, deren Daten bislang ausgewertet waren, war der Tumor stabil geblieben.

Die Verträglichkeit entsprach der von Octreotid - am häufigsten waren Übelkeit und Gewichtsverlust. Pasireotid könnte Patienten eine Alternative bieten, für die das bisherige Präparat allein oder kombiniert mit Interferon-alpha nicht ausreicht.

Ein weiterer Angriffspunkt ist ein Angiogenese-Hemmer mit der Kurzbezeichnung PTK 787. Er blockiert den Rezeptor des von Tumorzellen produzierten Gefäß-Wachstumsfaktors VEGF (vascular endothelial growth factor). VEGF wurde bei 83 Prozent der Patienten mit neuroendokrinen Dünndarm-Tumoren im Tumorgewebe entdeckt.

Die Wirkung wurde jetzt erstmals bei Patienten mit solchen Tumoren ohne hormonelle Aktivität und im fortgeschrittenen Stadium geprüft: Obwohl alle Patienten zuvor bereits mehrere Therapien erhalten hatten, sei es bei vier von neun Teilnehmern zur Tumorstabilisierung oder sogar zu einer leichten Verkleinerung gekommen, so Pavel bei der von Novartis unterstützten Veranstaltung. Erwogen wird die Anwendung des Hemmstoffs in Kombination mit Octreotid.

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