Ärzte Zeitung, 18.06.2007

Krebsregister erfasst systematisch Spätfolgen der Bestrahlung

Das RiSK-Register ist ein Projekt der Uni Münster / Nebenwirkungen der Strahlentherapie bei Kindern und Jugendlichen werden dokumentiert

HANNOVER (grue). Nach Ansicht von Strahlentherapeuten sollten die Spätfolgen der Bestrahlung systematisch erfasst werden. Ein Beispiel dafür ist das RiSK-Register der Universität Münster. In dem Projekt werden prospektiv die Nebenwirkungen von Strahlentherapien bei Kindern und Jugendlichen erfasst.

Die hohen Heilungsraten in der Onkologie werden nach Angaben von Professor Johann Karstens aus Hannover oft nur durch kombinierte Therapien mit Op, Krebsmedikamenten und Bestrahlung erreicht. Dabei treten außer akuten unerwünschten Wirkungen häufig auch Spätfolgen der Strahlentherapie auf. Diese schränken die Lebensqualität ein, aber sind bisher wenig untersucht worden. Es handelt sich in Abhängigkeit vom bestrahlten Gewebe um Narben, Organschäden oder neurologische Störungen, die teils erst Jahre nach der Bestrahlung auftreten.

"Die Spätfolgen sollten systematisch erfasst und der verwendeten Bestrahlungstechnik und Strahlendosis zugeordnet werden, um so besonders risikoreiche Verfahren zu identifizieren", sagte Karstens, Präsident des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie bei der Tagung der Gesellschaft.

Einen Anfang macht das RiSK-Register, das prospektiv die Nebenwirkungen von Strahlentherapien bei Kindern und Jugendlichen erfasst. In dem von der radioonkologischen Klinik der Uni Münster geleiteten Projekt sind 761 Bestrahlungsprotokolle archiviert. 742 Kinder aus 59 Zentren sind zudem in eine Nachbeobachtungsstudie aufgenommen worden.

Man wolle so mehr über Strahlen-Nebenwirkungen bei Kindern wie Wachstumsretardierung und soziale Entwicklungsverzögerung erfahren, sagte Professor Normann Willich aus Münster. Insgesamt liege die Rate an schweren Spätkomplikationen aber deutlich unter fünf Prozent und müsse in Relation zu den verbesserten Heilungschancen nach Bestrahlung gesehen werden.

Der hannoversche Kongress spiegelte das weltweite Interesse an der Forschungsrichtung "Cancer Survivorship" wider. Sie hat ihren Ursprung in den USA. Dort leben derzeit über zehn Millionen Menschen, bei denen Krebs erfolgreich therapiert worden ist. Für sie werden jetzt spezifizierte Nachsorgepläne erstellt. Seit Jahresbeginn gibt es mit "The Journal of Cancer Survivorship" eine Fachzeitschrift zu diesen Themen.

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