Ärzte Zeitung, 12.06.2007

Krebsfrüherkennung ist für viele kein Thema

Nur jeder fünfte Mann nutzt angebotene Untersuchungen / 1. Nationale Onkologische Präventionskonferenz

BERLIN (gvg). Krebsfrüherkennung ist in Deutschland bisher nur für jeden fünften Mann und für jede zweite Frau ein Thema. Krebsexperten fordern, die Medizin künftig sehr viel stärker auf Prävention und Früherkennung auszurichten.

Anlass für das Plädoyer ist die 1. Nationale Onkologische Präventionskonferenz, die am 16. Juni in Essen stattfindet. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), die Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen und die Medizinische Gesellschaft Essen wollen mit dieser Veranstaltung erneut auf die Vorsorgedefizite in Deutschland aufmerksam machen.

"Es kann nicht sein, dass weniger als acht Prozent der anspruchsberechtigten Männer und weniger als neun Prozent der Frauen eine Darmkrebsfrüherkennung machen", kritisierte der Konferenzleiter Professor Michael Betzler vom Alfred-Krupp-Krankenhaus Essen.

Insgesamt nutze nur etwa die Hälfte der Frauen und ein Fünftel der Männer irgendeine der angebotenen gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen. so Betzler bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Um daran etwas zu ändern, seien Kostenträger, Politiker und Ärzte gleichermaßen gefragt, sagte DKG-Generalsekretär Dr. Johannes Bruns. Er forderte die Kostenträger auf, Anreize für die Früherkennung zu schaffen. "Eine Bestrafung von jenen, die die Untersuchungen nicht nutzen, ist aber nicht der richtige Weg", sagte Bruns.

Bei primärpräventiven Maßnahmen sieht die Krebsgesellschaft auch die Ärzte in der Pflicht, die bei vielen Tumorerkrankungen noch aussagekräftige Studien nachliefern müssten. "Wir haben hier allerdings das Problem, dass es schwer ist, Geldgeber zu finden."

Der Aufruf an die Politik, entsprechende Finanzierungsstrukturen zu schaffen, wird deswegen Teil einer "Essener Erklärung" sein, die bei der Konferenz vorgestellt werden soll. Ebenfalls Teil der Erklärung soll die Empfehlung sein, die HPV-Impfung in den allgemeinen Impfkatalog aufzunehmen und die Kosten zu erstatten.

Für sieben häufige Tumorarten haben die Experten im Vorfeld der Konferenz zusammengestellt, was es an Daten in Sachen Primärprävention gibt und Forderungen formuliert, um dieses Wissen umzusetzen. "Zu den Vorschlägen gehört unter anderem, Kleinkinderbecken in Schwimmbädern zu überdachen, um Hauttumoren vorzubeugen", sagte DKG-Vorstandsmitglied Professor Wolfgang Tilgen. Daneben zählt er Maßnahmen zur Verringerung des Alkohol- und Tabakkonsums sowie den Kampf gegen Adipositas zu den wichtigsten onkologischen Präventivmaßnahmen.

Weitere Informationen zur Krebsprävention gibt es im Internet unter http://www.onkologische-praevention.de

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