Ärzte Zeitung, 10.01.2008

Enzymtest macht Krebsstammzellen sichtbar

US-Forscher entwickeln Test zum Nachweis des Enzyms Aldehyd-Dehydrogenase / Positiver Test bei Metastasierung

ANN ARBOR (wsa). US-Forscher haben ein einfaches Verfahren entwickelt, mit dem sich nachweisen lässt, ob in einer Gewebeprobe Krebsstammzellen vorhanden sind.

Gefärbte Zellen des Brustkrebsepithels. Grün markiert sind Krebsstammzellen.

Foto: Christophe Ginestier, Ann Arbor

Krebsstammzellen sind Ursache dafür, dass ein Tumor wächst und Metastasen bildet. Eine Therapie kann nur dann erfolgreich sein, wenn diese Zellen vollständig zerstört werden.

Der von den Forschern entwickelte Test färbt die Zellen, die verstärkt ein bestimmtes Enzym bilden, durch einen Fluoreszenzfarbstoff. Ein positives Ergebnis bei Brustkrebsbiopsien war mit einer schlechten Krankheitsprognose assoziiert. Der Nachweis noch vorhandener Krebsstammzellen wäre daher ein Anlass, aggressiver zu therapieren, so die Wissenschaftler im Fachblatt "Cell Stem Cell" (1, 2007, 555). "Wir glauben, dass nur ein sehr kleiner Teil der Zellen eines Tumors zu unbegrenztem Wachstum fähig ist und dass davon eine Metastasenbildung und erneutes Tumorwachstum ausgehen", sagt Dr. Gabriella Dontu vom Universitäts-Krebszentrum in Ann Arbor.

Sie und ihre Kollegen konnten nachweisen, dass im Brustgewebe sowohl normale Stammzellen als auch Krebsstammzellen durch eine erhöhte Produktion des Enzyms Aldehyd-Dehydrogenase (ALDH) nachweisbar sind. Diese Zellen lassen sich mit einem Fluoreszenzfarbstoff markieren und von anderen abtrennen, ohne dass sie dabei zugrunde gehen. 500 dieser Krebsstammzellen reichten aus, um in Mäusen in kurzer Zeit neue Tumoren zu erzeugen. Dazu waren 50 000 ALDH-negative Brustkrebszellen nicht fähig.

Die Analyse der Gewebeproben von 577 Frauen mit Brustkrebs ergab, dass sich bei einem positivem Testergebnis mit 1,8-mal größerer Wahrscheinlichkeit Metastasen entwickelt hatten. In 19 bis 30 Prozent der untersuchten Tumoren ließen sich Krebsstammzellen nachweisen. Möglicherweise sei die verstärkte ALDH-Bildung mit einer besonders hohen Teilungsrate der Krebszellen verbunden, so Dontu. Da Krebsstammzellen inzwischen bei vielen verschiedenen Krebsarten gefunden wurden, glauben die Forscher, dass ihr Test generell einsetzbar ist. Abgesehen von einer verbesserten Diagnose, soll die Methode auch bei der Entwicklung neuer Krebstherapien helfen, die gezielt auf die Krebsstammzellen gerichtet sind.

Topics
Schlagworte
Krebs (9910)
Onkologie (7548)
Krankheiten
Mamma-Karzinom (2375)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »