Ärzte Zeitung, 24.01.2008

Wer viel Fleisch isst, bekommt eher Krebs

Studie mit 500 000 Teilnehmern bestätigt Ernährungseinfluss auf die Krebshäufigkeit - besonders im Kolorektum

ROCKVILLE (hub). Eine große prospektive Kohortenstudie hat den Einfluss der Ernährung auf die Krebsentstehung bestätigt. Je mehr rotes Fleisch verzehrt wurde, desto höher war die Krebsrate. Das Krebsrisiko stieg je nach Organ um 20 bis 60 Prozent.

 Wer viel Fleisch isst, bekommt eher Krebs

Sieht lecker aus und schmeckt lecker - doch viel rotes Fleisch fördert die Krebsentstehung.

Foto: PhotoDisc

Daten von etwa einer halben Million US-Amerikaner wurden in der Studie ausgewertet (PLoS Medicine 4, 2007, e325). Die Teilnehmer waren zu Beginn 50 bis 71 Jahre alt. Innerhalb von acht Jahren bekamen fast 54 000 von ihnen eine bösartige Tumorerkrankung. Aus den Daten errechneten Professor Amanda Cross vom Nationalen Gesundheitsinstitut NIH und ihre Kollegen: Für kolorektalen Krebs war das Risiko bei Genuss von rotem Fleisch um 24 Prozent erhöht, für verarbeitetes Fleisch um 20 Prozent. Verglichen wurde jeweils das Fünftel der Studienteilnehmer mit dem höchsten Fleischverzehr mit dem Fünftel mit dem geringsten Konsum.

Außer für das Kolorektum war die Krebsrate bei hohem Fleischkonsum auch für die Lunge erhöht: bei rotem Fleisch um 20, bei verarbeitetem um 16 Prozent. Die Unterschiede bei Krebserkrankungen des Kolorektums und der Lungen waren hoch signifikant. Auch bei anderen Krebsarten -etwa des Pankreas und der Leber - war die Rate erhöht, und zwar um 43 und 60 Prozent. Personen im obersten Fünftel des Fleischkonsums verzehrten sechsmal soviel Fleisch wie die Teilnehmer im untersten Fünftel (10 g/1000 kcal versus 63 g/1000 kcal).

Gründe für den Zusammenhang sind krebserregende Stoffe im Fleisch, etwa N-Nitroso-Verbindungen. Ihre karzinogene Wirkung könnte darin bestehen, dass sie die Zellteilung ankurbeln, die DNA-Synthese erhöhen oder auch Schäden durch freie Radikale fördern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Ein Kind mit drei genetischen Eltern

Eine Eizelle von zwei Frauen: Eine Mitochondrien-Ersatztherapie hat einem Paar geholfen, ein gesundes Baby zu bekommen. Experten äußern allerdings ethische Bedenken. mehr »

Grüne für Wahlfreiheit von Beamten

Ist das Krankenversicherungsrecht für Beamte noch zeitgemäß - sollten sie etwa die Wahl zwischen GKV und Privatversicherung haben? Das treibt die Bundestagsfraktion der Grünen um. mehr »

Hausärzte besser schulen!

Der Hausarzt gilt als Schaltstelle bei der Diagnose von Depressionen. Zum Europäischen Depressionstag haben Fachverbände nun gefordert, ihn besser auf die Erkennung von seelischen Krankheiten vorzubereiten. mehr »