Ärzte Zeitung, 29.01.2010

Kommentar

Mehr Anreize für ein gesundes Leben

Von Thomas Müller

Es gibt zwei Reflexe, die offenbar sehr gut funktionieren, wenn es darum geht, steigenden Gesundheitskosten zu begegnen: Erstens die Krankenkassenbeiträge erhöhen - diese Diskussion erleben wir gerade mit den Zusatzbeiträgen. Zweitens, die Arzneimittelkosten senken, etwa indem man versucht, den neuen und damit teueren Medikamenten einen Nutzen abzusprechen. Darin sieht offenbar das IQWiG eine gewisse Existenzberechtigung. Seltsamerweise diskutiert aber niemand darüber, das Übel an der Wurzel zu packen: Die Zahl der chronisch Kranken, die eine teuere und dauerhafte medizinische Versorgung benötigen, möglichst gering zu halten.

Gesundes Altern wird immer wichtiger

Gerade in einer alternden Gesellschaft wie der unseren wird die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens aber entscheidend davon abhängen, auf welche Weise Menschen altern. Und wer sich zeitlebens viel bewegt, wird gesünder alt. Genau hier sollte man ansetzen.

Sicher, wenn mehr Menschen gesund altern, folgt daraus nicht automatisch, dass dies Kosten spart. Vielleicht werden sportgestählte Körper einfach nur etwas später aber ebenso kostenintensiv hinfällig wie die träger Zeitgenossen. Dagegen spricht, dass die Lebenserwartung bei chronisch Kranken gerade aufgrund der guten medizinischen Versorgung nur noch geringfügig reduziert ist - mit einem Diabetes oder einer KHK kann man heute sehr alt werden. Zudem gibt es ökonomische Daten, zumindest aus anderen Ländern. So wurde für die kleine Schweiz berechnet, dass sich jedes Jahr ein Milliardenbeitrag im Gesundheitswesen einsparen ließe, wenn sich das träge Drittel der Bevölkerung etwas mehr bewegen würde - die Mehrkosten für Sportverletzungen mit einbezogen.

Gesund leben muss sich lohnen - auch ökonomisch

Damit sich dieser träge Teil aber in Bewegung setzt, sollte man die richtigen Anreize setzen und den Menschen mehr Verantwortung übertragen - gesund leben muss sich lohnen, auch ökonomisch. Hilfreich wäre ein Bonus-System. Dabei könnte man freiwillig einmal im Jahr die wichtigsten Risikofaktoren ärztlich prüfen lassen: per Waage (BMI), per Ergometer (Fitness) und per Blutprobe (Leberwerte, Nikotinabbauprodukte). Wer das tut und dabei günstig abschneidet, könnte bis zur Hälfte oder ein Drittel der üblichen Kassenbeiträge sparen. Vielleicht würde man mit einem solchen System viele Menschen aus sozial schwachen Schichten trotzdem nicht erreichen. Ohne finanzielle Anreize dürfte es aber schwer werden, ein Verhalten zu fördern, das die Menschen gesund und die Gesundheitskosten niedrig hält.

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