Individualisierte Krebstherapie mit Naturstoffen?

Tumorzellen blockieren das zelluläre Selbstmordprogramm über das Schlüsselmolekül XIAP. Um dieses Enzym auszuschalten, damit das Selbstmordprogramm ablaufen kann, läuft die Suche nach Hemmstoffen auch unter pflanzlichen Inhaltstoffen auf Hochtouren.

Veröffentlicht:
Computermodell des Apoptose-Hemmers XIAP. Die farblich markierte Region ist Ziel künftiger Krebstherapeutika. © Institut für Pharmazie/Pharmakognosie / Uni Innsbruck

Computermodell des Apoptose-Hemmers XIAP. Die farblich markierte Region ist Ziel künftiger Krebstherapeutika. © Institut für Pharmazie/Pharmakognosie / Uni Innsbruck

© Institut für Pharmazie/Pharmakognosie / Uni Innsbruck

INNSBRUCK (ple). In vielen Tumoren wird das Eiweiß-Molekül XIAP* übermäßig synthetisiert. Die Folge: Der programmierte Zelltod - die Apoptose - wird verhindert, die Krebszellen können sich hemmungslos vermehren. Möglicherweise ist dieses Molekül auch Ursache dafür, dass Patienten nur unzureichend auf eine Chemotherapie ansprechen. Seit einiger Zeit ist deshalb das XIAP-Molekül ein begehrtes Forschungsobjekt in Projekten, in denen nach Apoptose-fördernden Strategien gefahndet wird.

In Innsbruck etwa sucht an der Universität die Arbeitsgruppe Pharmakognosie um Professor Hermann Stuppner nach Naturstoffen, die als Leitstrukturen für die chemische Synthese potenzieller Arzneistoffe dienen und XIAP hemmen. Stuppner hat mit seinen Kollegen ein Computermodell entwickelt, das die dreidimensionale Struktur von XIAP nachbildet. Wichtig dabei ist jene Molekülregion, die normalerweise die für die Aktivierung des programmierten Zelltodes wichtigen Enzyme bindet und somit hemmt. Gelänge es, Substanzen zu finden, die genau diese Region blockiert, könnte die Hemmung der Apoptose verhindert werden, die Krebszellen würden sterben.

Inzwischen hat Stuppner an seinem Institut bereits eine Daten- und Biobank von 140 000 Naturstoffen aufgebaut. Die meisten sind pflanzliche Inhaltsstoffe. Die Biobank enthält aber auch Substanzen aus Pilzen und Bakterien. Stuppners Projekt ist Teil des Verbundes Oncotyrol, das die Entwicklung individualisierter Krebstherapien fördert.

*XIAP: X-linked inhibitor of apoptosis protein

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Analyse aus sechs onkologischen Zentren

Palliativversorgung von krebskranken Kindern erfolgt in Bayern sehr spät

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

NutriNet-Santé-Studie

Viel Konservierungsstoffe in der Nahrung – erhöhtes Krebsrisiko?

Datenanalyse

Demenzschutz durch Zosterimpfung: Studie liefert erneut Hinweise

Lesetipps
Ein Hausarzt lädt in seiner Praxis Dokumente in eine elektronische Patientenakte „ePA“.

© Daniel Karmann/dpa

Neue Funktion

E-Patientenakte: Volltextsuche für Ärzte geplant

So bitte nicht! Leichter kann man es Hackern kaum machen.

© Oleksandr Latkun/imageBROKER/picture alliance

Update

Datenschutz

Tipps: Darauf sollten Praxisteams bei Passwörtern achten