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Wie aus einer Stammzelle im Gehirn eine Krebsstammzelle wird

Glioblastome, die häufigsten und aggressivsten Hirntumoren, entstehen offenbar aus Stammzellen des Gehirns. Dort gilt die subventrikuläre Zone schon lange als Keimzelle für diese Tumoren. Durch Blockade eines Rezeptors kann die Vermehrung der Krebsstammzellen gedrosselt werden.

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Neuronen im Gehirn.

Neuronen im Gehirn.

© ktsdesign / fotolia.com

BERLIN-BUCH (eb). Forscher beginnen jetzt zu verstehen, welche Mechanismen dazu führen, dass aus den wenigen Stammzellen im erwachsenen Gehirn, die eigentlich den Nachschub für neue Nervenzellen bilden, eine Krebsstammzelle wird.

Sie konnten mehrere Faktoren identifizieren, die die Stammzellen steuern und quasi umpolen, berichteten Wissenschaftler auf der Tagung "Brain Tumor 2011" im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch.

Sie verbinden damit die Hoffnung, Angriffspunkte für eine wirksamere Therapie beim Glioblastom und bei anderen Hirntumoren zu finden, wie es in einer Mitteilung des MDC heißt.

Ephrine steuern Neubildung von Nervenzellen

Neue Nervenzellen entstehen aus Stammzellen, die sich in einer Nische des Gehirns - der subventrikulären Zone - finden. Diese Zone gilt schon lange auch als Keimzelle für Glioblastome. Glioblastome bestehen aus unterschiedlichen Zelltypen und deren Vorstufen. Forscher gelang es vor einiger Zeit, aus Glioblastomen auch Krebsstammzellen zu isolieren. Sie haben die Eigenschaften von Stammzellen. Dazu gehört, dass sie sich auch selbst erneuern. Das bedeutet, Krebsstammzellen bilden immer wieder neue Tumoren. Das ist möglicherweise die Ursache dafür, dass Tumoren trotz Behandlung wieder auftreten können.

Wie aber wird aus einer Stammzelle, die der Organismus braucht, um immer wieder neue Zellen bilden zu können, eine Krebsstammzelle? "Tumorstammzellen im Gehirn bedienen sich einiger Schlüsselregulatoren, die normalerweise die Bildung neuer Nervenzellen im erwachsenen Gehirn steuern", wird Professor Angelo L. Vescovi von der Universität von Mailand Bicocca in Italien zitiert.

Dazu gehören Ephrine, eine wichtige Stoffgruppe von Signalmolekülen im Gehirn, sowie ihre Rezeptoren auf den Stammzellen, kurz Eph-Rezeptoren genannt, an die sie binden. Beide erfüllen verschiedene Aufgaben im Gehirn, unter anderem regulieren sie die Neubildung von Nervenzellen.

Wie Vescovi in Berlin berichtete, konnten er und seine Mitarbeiter sowohl in Glioblastomgewebe als auch in darin enthaltenen Krebsstammzellen den genetischen Bauplan nicht nur für die Eph-Rezeptoren, sondern auch für ihre Bindungspartner, die Ephrine, nachweisen. Besonders ein Rezeptor - EphA2 - war hochaktiv.

Klinische Phase-I-Studie wurde bereits beantragt

In ersten Versuchen im Reagenzglas, gelang es ihnen, die Aktivität dieses Rezeptors zu drosseln. Das führte dazu, dass sich die Krebsstammzellen nicht mehr selbst erneuerten und ihre Fähigkeiten, Hirntumoren zu bilden, quasi "ausgetrocknet" war, wie Vescovi berichtete. Der Nachschub an Krebsstammzellen war versiegt. Zwar wurden die Tumorstammzellen nicht in den Zelltod getrieben, hatten aber ihr Merkmal als Krebsstammzelle verloren.

In Mäusen mit Glioblastomzellen des Menschen gelang es den Forschern, den EphA2-Rezeptor herunterzuregulieren und damit die Ausbreitung dieses tödlichen Tumors zu bremsen. "Wir haben jetzt einen Antrag für eine klinische Studie Phase I mit Patienten gestellt, und wir hoffen, dass über die Beeinflussung solcher Schlüsselregulatoren neue Wege für die Therapie von Glioblastomen gefunden werden können", sagt Vescovi.

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