Ärzte Zeitung, 26.10.2011

Fatigue Syndrom: Jeder dritte Krebskranke betroffen

LEIPZIG (eb). Etwa ein Drittel der Menschen mit Krebs fühlt sich infolge von Erkrankung und Therapie erschöpft, schwach und abgeschlagen. Unmittelbar nach einem Klinikaufenthalt sind sogar 40 Prozent vom "Fatigue Syndrom" betroffen, berichten Forscher des Uniklinikums Leipzig (Brit J Cancer 2011, 105: 445). Leider bleibe Fatigue oft unbemerkt. Dabei könnten unterstützende Angebote Betroffenen helfen und sie für die Therapie motivieren.

Um die Verbreitung von Fatigue bei Krebspatienten besser zu verstehen, hatte die Psychologin Privatdozentin Susanne Singer in Zusammenarbeit mit Ärzten aus verschiedenen Kliniken des Universitätsklinikums insgesamt fast 1500 Patienten mit 27 unterschiedlichen Krebserkrankungen befragt.

Die Wissenschaftler baten die Patienten bei Aufnahme auf die Station, am Entlassungstag und ein halbes Jahr nach dem Krankenhausaufenthalt mittels eines Selbsteinschätzungs-Fragebogens Angaben über psychische, körperliche, geistige und emotionale Anzeichen von Fatigue zu machen.

Fatigue Sydrom findet in den meisten Therapieplänen wenig Beachtung

Wie sich zeigte, hinterließ der - durchschnittlich zwei Wochen dauernde - Krankenhausaufenthalt und die dabei stattgefundene Behandlung bei den Patienten Spuren: Während bei der Aufnahme zur stationären Behandlung insgesamt 32 Prozent die typischen Anzeichen der Fatigue-Symptomatik zeigten, waren es am Tag der Entlassung 40 Prozent.

Ein halbes Jahr später war die Quote der Betroffenen wieder auf 34 Prozent zurückgegangen. "In den meisten Therapieplänen findet die Thematik leider zu wenig Beachtung", bedauert Singer.

Zudem stellten die Wissenschaftler fest, dass besonders junge Patienten durch Fatigue beeinträchtigt waren: In der Patientengruppe der unter 40-Jährigen zeigten am Tag der Klinikaufnahme über die Hälfte die typischen Anzeichen von chronischer Müdigkeit und Erschöpfung. Von den über 60-Jährigen war nur jeder fünfte Patient betroffen.

Bewegung kann sich positiv auswirken

"Um Patienten noch besser helfen zu können und auch die Compliance zu fördern, sollten Ärzte über das Fatigue-Syndrom informiert sein", sagt Singer. Eine Befragung im Rahmen der Krebs-Therapie könnte die Situation eventuell verbessern.

Falls eine Blutarmut vorliegt, kommen als Behandlung zum Beispiel Bluttransfusionen infrage. Auch körperliche Bewegung, etwa häufiges Spazierengehen oder fachkundig angeleitetes Training in Sportgruppen, können sich positiv auswirken.

Hat die Fatigue vor allem eine psychosoziale Komponente, sind Gespräche mit einem Psychoonkologen empfehlenswert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »