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Verpflanztes Eierstockgewebe erfüllt Kinderwunsch

Die Transplantation zuvor kryokonservierten Ovarialgewebes kann Frauen nach einer Krebstherapie zu einer Schwangerschaft verhelfen. Weltweit sind erst 15 Säuglinge nach einer solchen Therapie geboren worden - nun hat auch Deutschland sein Sensations-Baby.

Dr. Marlinde LehmannVon Dr. Marlinde Lehmann Veröffentlicht:
Maximilian, drei Monate alt.

Maximilian, drei Monate alt.

© Matthias Hiekel / dpa

BERN/DRESDEN. Erstmals ist in Deutschland ein Kind geboren worden, bei dessen Mutter vor einer Krebstherapie Ovarialgewebe entnommen und später transplantiert worden war.

Die Frau war auf natürliche Weise schwanger geworden. Das Kind kam bereits im Oktober 2011 in Dresden per Kaiserschnitt zur Welt.

"Bisher sind weltweit erst 15 Säuglinge nach einer solchen Therapie geboren worden", sagt Professor Michael von Wolff, Leiter der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Universitäts-Frauenklinik Inselspital in Bern. Wolff ist der Medizinische Koordinator des Netzwerkes FertiProtekt.

FertiProtekt will Frauen und Männern vor und nach einer Chemo- oder Strahlentherapie die Möglichkeit zu geben, sich nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hinsichtlich ihrer Fruchtbarkeit beraten und gegebenenfalls auch Maßnahmen zum Schutz ihrer Fruchtbarkeit durchführen zu lassen.

Das Netzwerk umfasst universitäre und nicht-universitäre reproduktionsmedizinische Zentren der deutschsprachigen Länder Deutschland, Schweiz und Österreich.

Die Entnahme, Kryokonservierung und spätere Retransplantation von Ovarialgewebe ist eine der Techniken, die heute genutzt wird, um Frauen mit funktionsuntüchtigen Ovarien nach einer Krebserkrankung mit Chemo- oder Strahlentherapie zu einer Schwangerschaft zu verhelfen.

Ovarialgewebe wurde in die Beckenwand transplantiert

"Bei der Patientin, die im Oktober per Sectio entbunden hat, wurde das nach einer speziellen Technik aufgetaute Gewebe in die Beckenwand transplantiert", so Wolff im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Das Gewebe hatte also keinen unmittelbaren Kontakt zum Ovar selbst und wurde an der Beckenwand hormonell aktiv.

Was sich dann im Becken abspielte "ist eine hochspannende Frage", sagt Wolff. "Es ist eigentlich davon auszugehen, dass dieses Gewebestück dann selbst Eibläschen mit Eizellen gebildet hat, und dass diese aus der Beckenwand heraus in den Eileiter hinein ovuliert haben."

Letztlich sei derzeit noch nicht klar, wohin zuvor kryokonserviertes Ovarialgewebe transplantiert werden müsse, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Das Gewebe auf den Unterarm zu setzen - wie früher praktiziert - sei heute nicht mehr üblich.

Stattdessen wird es in das verbliebene Ovar transplantiert oder in die Beckenwand. "Wenn die Ovarien komplett atroph sind, zusammengefallen sind von der Chemotherapie, weiß man nicht, ob das wirklich der beste Platz ist", so Wolff. Deshalb nutze man dann gerne auch die Beckenwand.

Bei der Frau, die in Dresden entbunden hat, seien bei der Sectio auch die Ovarien inspiziert worden.

"Die Ovarien sahen sehr atroph aus", so Wolff, "so dass nach Untersuchung von Gewebeproben mit größtmöglicher Sicherheit davon auszugehen ist, dass die Eizelle, die letztlich zur Schwangerschaft geführt hat, aus der Beckenwand stammt, nicht aus den Ovarien. Bewiesen ist das aber nicht."

Atrophische Ovarien sind eine "Eileiterschiene"

Sind die Ovarien atrophisch, übernehmen sie trotzdem weiterhin die Funktion einer "Eileiterschiene". Rein anatomisch sei es vorstellbar, dass der Eileiter an die Beckenwand geht und eine Eizelle aufnimmt, sagt Wolff.

Die Spitze des Eileiters wandere ja auch sonst um das Ovar herum und suche sich seinen Follikel.

Mit der Sectio-Geburt des Kindes in Dresden sieht von Wolff auch die Arbeit des Netzwerkes FertiProtekt bestätigt. "Das zur Kryokonservierung bestimmte Gewebe ist über Nacht an eine Kryobank transportiert worden", berichtet Wolff.

Das habe es weltweit noch nicht gegeben und mache es sehr wahrscheinlich, dass das Gewebe den Transport schadlos überstanden habe.

"Das Gewebe ist in Dresden entnommen worden, wurde über Nacht in die Kryobank des Netzwerkes in Bonn transportiert und dort eingelagert, transplantiert wurde es in Erlangen und die Sectio hat zum Schluss in Dresden stattgefunden", verdeutlicht von Wolff die multizentrische Vorgehensweise des Netzwerkes.

"Das Tolle ist, dass bei dem Netzwerk nicht einer einmalig was macht, sondern dass wir mit der Sectio und einem gesunden Kind jetzt den Erfolg einer großen funktionierenden Struktur feiern können."

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