Chemotherapie

Akupunktur hilft gegen Übelkeit

Viele Krebspatienten nutzen Therapieformen der Komplementärmedizin. Zu den häufig angebotenen Verfahren gehört die Akupunktur. Was Krebskranke und ihre Ärzte sich von den Nadeln erhoffen dürfen, haben US-Forscher untersucht.

Veröffentlicht:
Statt Erbrechen: Nadeln.

Statt Erbrechen: Nadeln.

© Klaro

HOUSTON. In einem systematischen Review hat eine Arbeitsgruppe um Kay Garcia vom MD Anderson Cancer Center der University of Texas, Houston, jetzt mehr als 2500 einschlägige Publikationen zur Akupunkturtherapie von Krebspatienten gesichtet.

Nach Anwendung der Einschlusskriterien (prospektive randomisierte klinische Studie, Evaluation des Symptommanagements bei Krebspatienten, Verwendung von Akupunkturpunkten) blieben 41 Studien übrig, die sich mit acht Symptomen befassten.

Dazu zählten Schmerzen, Übelkeit/Erbrechen, Hitzewallungen, Fatigue, Xerostomie nach Radiatio, prolongiertem postoperativem Ileus, Angststörungen, affektive Störungen und Schlafstörungen (JCO 2013; 22. Januar).

Der Analyse dieser 41 Untersuchungen entsprang nur ein evidenzgesichertes Resultat: Akupunktur wirkt gegen Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie, wobei der Effekt dieser ergänzenden Behandlung als stark zu bezeichnen ist.

Einzig für diese Indikation fand sich eine Studie, die ein geringes Risiko für statistische Verzerrung im Sinne eines systematischen Fehlers aufwies. Bei allen anderen untersuchten Symptomen war das nicht der Fall.

Ein häufiger Mangel war, dass nicht angegeben war, wer jeweils das Setzen der Nadeln verantwortete - ob etwa ein und derselbe Therapeut unverblindet sowohl für die Verum- als auch die Scheinakupunktur zuständig gewesen war.

Job für erfahrene Akupunkteure

Beispielsweise hatten von elf Studien zur Schmerzakupunktur zehn ein hohes und eine ein unklares Verzerrungspotenzial gemäß den Cochrane-Kriterien.

Obwohl die Untersuchung nur ein verlässliches Ergebnis zeitigte, sind die praktischen Konsequenzen durchaus zahlreich. "Von unseren Erkenntnissen ausgehend, sollten Ärzte ihre onkologischen Patienten zur Akupunktur überweisen, wenn diese an unkontrollierter Übelkeit bzw. Erbrechen leiden und sofern keine Kontraindikationen bestehen", schreiben Garcia und Kollegen.

Für andere Symptome wie Schmerzen, Hitzewallungen, Mundtrockenheit, Beklemmungen oder Fatigue untergrüben systematische Fehler der einschlägigen Studien den Wirknachweis. "Allerdings bedeutet das Fehlen von Beweisen nicht unbedingt auch einen fehlenden Effekt", betonen die Autoren.

Weitere Folgerungen laut Garcia: Nadeln setzen sollte nur ein dazu befähigter Akupunkteur. Niemals darf direkt in den Tumor oder in ulzerierte Bereiche gestochen werden. Gliedmaßen, die für Lymphödeme anfällig sind, sind grundsätzlich von Nadeln freizuhalten.

Wird die Brustwand kachektischer Patienten akupunktiert, ist Vorsicht geboten, ebenso, wenn Patienten mit Neutropenie, Blutungsneigung, Schwangere, Patienten mit Krampfanfällen oder verwirrte Krebskranke behandelt werden.

Elektroakupunktur verbietet sich bei Patienten, die Herzschrittmacher oder implantierte Defibrillatoren tragen. (rb)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin

Darmkrebsmonat März

Darmkrebs bei Jüngeren: Wie lassen sie sich finden?

Palliativregisteranalyse

Menschen mit Krebs: Viel Schmerz am Lebensende

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gesetzliche Unfallversicherung

Arbeitsunfall: Was bei der Schmerzversorgung gilt

RCTs und Real-World-Evidenz

Wie gut die RSV-Impfung bei Erwachsenen wirkt – und ankommt

Lesetipps
Schrörs

© Porträt: Antje Boysen/DEGAM | Sp

Sie fragen – Experten antworten

Brustkrebspatientin gegen Herpes zoster impfen?