Ärzte Zeitung, 13.02.2013

Klebsiella-Sepsis

Besonders häufig bei Krebspatienten

Krebspatienten sind besonders anfällig dafür, Bakteriämien mit Klebsiella pneumoniae zu entwickeln. Diese Erkenntnis aus einer US-amerikanischen Studie könnte sich auf die initiale empirische Antibiotikatherapie auswirken.

Von Robert Bublak

DENVER. Eine Arbeitsgruppe von Infektiologen und Onkologen um Andrés Henao-Martínez von der University of Colorado in Denver hat sich im Zuge einer prospektiven Kohortenstudie die Daten von insgesamt 203 Krebspatienten und 249 nicht-onkologischen Patienten angesehen, bei denen allesamt eine Bakteriämie mit Enterobakterien mit Hilfe von Blutkulturen nachgewiesen worden war (Int J Infect Dis 2013; online 9. Jan. 2013).

In der multivariaten Analyse fiel auf, dass der Befund bei Krebspatienten einige Besonderheiten aufwies. So war das Verhältnis von den Klebsiella- bedingten zu den Nicht-Klebsiella-bedingten Bakteriämien bei ihnen mehr als sechsmal höher als unter den Patienten ohne bösartigen Tumor (Odds Ratio 6,13).

Für die vorherige Therapie mit Antibiotika vom Aminopenicillintyp betrug die Odds Ratio sogar 28,84, was für einen Selektionseffekt sprechen könnte. Und außerdem wiesen die onkologischen Patienten einen höheren APACHE-II-Score auf, was für geringere Überlebenschancen spricht (Odds Ratio 1,18).

Antibiotikagabe könnte sich gezielter einsetzen lassen

Insgesamt war in der US-Studie bei 63 Prozent der Patienten mit Blutkulturen, die positiv auf Klebsiella pneumoniae waren, ein Neoplasma diagnostiziert worden - aber nur bei 38,9 Prozent der Patienten mit anderen Enterobakteriämien.

Der Anteil von Klebsiellen an den Bakteriämien von Malignompatienten erreichte beim Lungenkrebs 42,9 Prozent, bei gastrointestinalen Tumoren 42,1 Prozent, bei urogenitalen Neoplasien 36,4 Prozent und bei hämatologischen Malignomen 28,9 Prozent.

"In der Subgruppe von Patienten mit bösartigen Tumoren besteht womöglich eine besondere Prädisposition dafür, dass Enterobakteriämien von Klebsiellen verursacht werden", resümieren Henao-Martínez und seine Arbeitsgruppe.

Die initiale empirische Antibiotikagabe lasse sich mit diesem Wissen unter Umständen gezielter einsetzen, wobei die jeweils vor Ort herrschende Empfindlichkeit der Keime zu berücksichtigen sei.

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