Ärzte Zeitung online, 01.08.2013

Infertilitätsrisiko

Als Mädchen krebskrank, als Frau kinderlos

Krebs in der Kindheit erhöht bei Frauen das Risiko für eine klinische Infertilität. Ihre Chancen, doch noch schwanger zu werden, sind aber relativ gut.

BOSTON. Frauen, bei denen vor dem 21. Lebensjahr eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde, leiden häufiger an Infertilität.

Im Vergleich zu ihren gesunden Schwestern ist bei ihnen die Wahrscheinlichkeit, dass es trotz regelmäßigen und ungeschützten Geschlechtsverkehrs nicht innerhalb eines Jahres zur Konzeption kommt, fast um 50 Prozent erhöht (13 Prozent vs. zehn Prozent, adjustiertes relatives Risiko, RR 1,48, p , 0,0001).

Das zeigen neue Ergebnisse der Childhood Cancer Survivor Study, für die 3531 weibliche Krebsüberlebende und 1366 Schwestern im Alter zwischen 24 und 34 Jahren befragt wurden (Lancet Oncology 2013; 14 (9): 873 - 881). Frauen mit bekannter Ovarialinsuffizienz waren von der Analyse ausgeschlossen.

Krebs vor dem 25. Lebensjahr besonders ungünstig

Besonders drastisch erhöht war das Infertilitätsrisiko bei jüngeren Frauen mit Krebs in der Anamnese: Bei den unter 25-Jährigen lag es fast dreimal so hoch wie in der Vergleichsgruppe (RR 2,92, p = 0,020).

Mit zunehmendem Alter ging der Risikoanstieg zurück (25-29 Jahre: RR 1,61; 30-40 Jahre: RR 1,37) - möglicherweise weil die schädlichen Effekte der Krebstherapie sich vor dem Hintergrund der altersbedingt nachlassenden Fertilität nicht mehr so deutlich ausprägen.

Als ursächlich erwiesen sich eine Bestrahlung des Uterus ebenso wie eine Chemotherapie mit alkylierenden Substanzen. Beide erhöhten dosisabhängig das Risiko für Unfruchtbarkeit.

Im Fall einer Infertilität suchten Krebsüberlebende genauso häufig ärztliche Hilfe wie die Kontrollpatientinnen. Ihre Chance auf eine entsprechende Behandlung war jedoch erheblich schlechter (RR 0,57; p, 0,0001).

Ob dies daran lag, dass die Ärzte aufgrund von Komorbiditäten oder als geringer eingeschätzten Erfolgsaussichten zurückhaltender mit Verordnungen waren, oder daran, dass die Patientinnen aufgrund ihrer Vorgeschichte weniger bereit waren, eine weitere Therapie auf sich zu nehmen, lässt sich den Studiendaten nicht entnehmen.

Deutlich mehr Zeit vergeht bis zur Konzeption

Generell mussten die Krebsüberlebenden mehr Geduld aufbringen: Bis zur Konzeption verging bei ihnen signifikant mehr Zeit als in der Kontrollgruppe.

Mehr als zwölf Monate dauerte es bei 13 Prozent bzw. acht Prozent. Die gute Nachricht: Auch bei 64% der Frauen mit klinischer Infertilität kam es während der Studienzeit noch zu einer Schwangerschaft.

Die Studienautoren um Dr. Sara E. Barton vom Brigham and Women's Hospital in Boston betonen, dass bei Frauen, die in der Kindheit eine Krebserkrankung überstanden haben, ein normaler Menstruationszyklus nicht mit einer normalen Fruchtbarkeit gleichgesetzt werden darf.

Die Frauen sollten trotzdem über das Risiko einer Infertilität aufgeklärt und an Reproduktionsmediziner überwiesen werden. (BS)

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