Ärzte Zeitung, 30.12.2013

Nahrungsergänzung

Nur ein fraglicher Nutzen

Mit Vitaminpillen Krebs und Herzinfarkt vermeiden? Das wäre schön. Tatsächlich ist es wohl zu schön, um wahr zu sein, wie die aktualisierte Version einer systematischen Überblicksarbeit gezeigt hat.

PORTLAND. Zehn Jahre ist es her, dass sich die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF), ein Zusammenschluss von US-amerikanischen Spezialisten für Prävention und evidenzbasierte Medizin, letztmals zum Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Vitaminen und Mineralien geäußert hat. Es ging dabei um die Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen und Krebs.

Damals zog die USPSTF den Schluss, die vorhandenen Daten reichten nicht aus, um die Einnahme von Vitamin A, C, E, Multivitaminpräparaten plus Folsäure bzw. Antioxidanzienkombinationen zu empfehlen oder davon abzuraten.

Eindeutig abgeraten wurde von Beta-Carotin - allein oder in Kombination -, weil es nicht nur nichts nütze, sondern sogar schaden könne: Das Risiko gefährdeter Erwachsener, an Lungenkrebs zu erkranken, werde durch die Einnahme erhöht.

Wissenschaftler des Kaiser Permanente Center for Health Research in Portland haben sich nun daran gemacht, die Datensammlung zu Vitaminen (A, C, D, Folsäure) und Mineralien (Selen, Kalzium) auf den neuesten Stand zu bringen. 26 Untersuchungen gelangten in die Auswertung, 24 randomisierte und kontrollierte, zwei Kohortenstudien (Ann Intern Med 2013, online 12. November).

Große Veränderungen gegenüber den Erkenntnissen von 2003 kamen dabei nicht zutage. Dennoch lohnt ein Blick auf die Details. Studien akzeptabler bis guter Qualität existieren für Vitamin E und Beta-Carotin.

Für Letzteres lautet das Urteil nach wie vor: kein Nutzen, dafür Schaden insofern, als die Substanz das Lungenkrebsrisiko von Rauchern erhöht. Für Vitamin E lässt sich nunmehr durchgehend belegen, dass es weder Herz-Kreislauf-Krankheiten noch Krebs verhindern hilft.

In zwei Studien (SU.VI.MAX; Physicians‘ Health Study II) mit knapp 28.000 Teilnehmern fanden die Forscher Hinweise auf eine niedrigere Krebsinzidenz bei Männern, die länger als zehn Jahre Multivitaminpräparate einnahmen. Die Risikoersparnis betrug 6 Prozent. Bei Frauen zeigte sich kein Effekt. Die kardiovaskuläre Morbidität blieb ebenso unbeeinflusst wie die Gesamtmortalität.

Das Fazit der Wissenschaftler fällt deshalb zurückhaltend aus: Alles zusammengenommen sei es schwierig zu folgern, dass die Ergänzung der Nahrung mit Multivitaminpräparaten nützlich sei. (rb)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Vitamine als Glaubensfrage

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