Ärzte Zeitung online, 20.02.2014

Metaanalyse

Schützen NSAR vor Eierstockkrebs?

Klassische NSAR, aber nicht Paracetamol, könnten einem Ovarial-Ca vorbeugen. Darauf deuten Daten einer Metaanalyse von zwölf Fall-Kontroll-Studien. Diese sind jedoch mit Vorsicht zu bewerten.

Schützen NSAR vor Eierstockkrebs?

Großes Ovarial-Ca im Schall.

© www.sonographiebilder.de

ROCKVILLE. NSAR und allen voran ASS scheinen sowohl nach epidemiologischen Daten als auch nach den Ergebnissen von Interventionsstudien bei Hochrisikopatienten das Risiko für einige Tumorarten zu senken. Vor allem bei Darmkrebs könnten ASS und NSAR präventiv wirken, bei einigen anderen Tumoren ist die Datenlage weit weniger klar.

Nun haben Epidemiologen um Britton Trabert vom National Institute of Health (NIH) in Rockville, USA, anhand von zwölf Fall-Kontroll-Studien nach Hinweisen gefahndet, ob häufig verordnete Schmerzmittel auch vor Eierstockkrebs schützen.

In den Studien waren Frauen mit Ovarial-Ca und gesunde Kontrollen danach gefragt worden, wie häufig sie welche Schmerzmittel eingenommen hatten. Die Autoren der Metaanalyse dichotomisierten die Ergebnisse in "regelmäßige Einnahme" (mindestens einmal pro Woche) und "unregelmäßige Einnahme". Zudem differenzierten sie zwischen ASS, Nicht-ASS-NSAR (Ibuprofen, Diclofenac und andere) sowie Paracetamol.

Insgesamt konnten sie Daten von knapp 7800 Erkrankten und über 11.800 Kontrollpersonen auswerten. Als Begleitfaktoren berücksichtigten sie unter anderem Alter, BMI, Zahl der Geburten sowie die familiäre Häufigkeit von Brust- oder Ovarialkrebserkrankungen von Verwandten ersten Grades (JNCI J Natl Cancer Inst (2014) 106 (2): djt431).

Die Ergebnisse: Über alle Studien hinweg hatten Frauen mit Ovarial-Ca bei den Befragungen im Schnitt deutlich seltener angegeben, in der Vergangenheit ASS eingenommen zu haben als Frauen ohne Ovarial-Ca.

In Bezug auf Paracetamol gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede. Eine kausale Beziehung angenommen, konnten Trabert und Mitarbeiter bei regelmäßiger ASS-Einnahme daraus ein neun Prozent geringeres Risiko für ein Ovarial-Ca berechnen.

Sieben Studien lieferten noch etwas differenziertere Angaben zum ASS-Konsum. Für die tägliche Einnahme ließ sich hier eine Risikoreduktion um 20 Prozent berechnen. Erstaunlicherweise schien die Risikoreduktion bei niedrig dosiertem ASS (unter 100mg/d) mit 34 Prozent noch etwas stärker zu sein, solche Dosisangaben wurden allerdings nur in drei Studien abgefragt.

Für nicht ASS-NSAR konnten Trabert und Mitarbeiter hingegen nur bei hohen Dosierungen (über 500 mg) bei regelmäßigem Konsum eine Risikoreduktion berechnen (minus 24 Prozent).

Selektion auf Herz-Patienten?

Wie bei allen Fall-Kontroll-Studien sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen und lassen keine kausalen Schlussfolgerungen zu. Erschwerend kommt hier hinzu, dass die Ergebnisse auf rein subjektiven Angaben beruhen.

Gut möglich, dass Frauen mit Ovarial-Ca lediglich glauben, in der Vergangenheit seltener Schmerzmittel genommen zu haben, weil sie bereits von einem Zusammenhang zwischen Krebshäufigkeit und NSAR-Konsum gehört haben.

Ziemlich sicher ist auch, dass sich Frauen mit regelmäßigem ASS- und NSAR-Konsum wegen einer bestehenden Grunderkrankung in ärztlicher Behandlung finden.

Vor allem der Zusammenhang von niedrigem dosiertem ASS und niedrigem Tumorrisiko ist verdächtig: Hier dürfte es sich primär um Patientinnen mit kardiovaskulären Erkrankungen handeln, die eine ASS-Chemoprophylaxe erhalten. Bei solchen Patienten könnte es natürlich alle möglichen Gründe geben, weshalb das Ovarial-Ca-Risiko niedriger ist, vielleicht eben auch die gute medizinische Versorgung mit anderen Medikamenten.

Nichtsdestotrotz - in einem Kommentar zur Analyse sehen Daliah Tsoref und Mitarbeiter von der Universität in Toronto, Kanada, inzwischen genug vage Hinweise, um Interventionsstudien zur Chemoprävention mit ASS zu rechtfertigen.

Diese sollten vernünftigerweise zunächst bei Frauen mit einem erhöhten Ovarial-Ca-Risiko erfolgen, etwa solchen mit BRCA1- oder BRCA2-Mutationen. Ließe sich tatsächlich bei täglicher Einnahme von niedrig-dosiertem ASS die Ovarial-Ca-Rate um 36 Prozent reduzieren, dann müsste man nur acht bis 13 solcher Risikopatientinnen behandeln, um eine einzelne Eierstockkrebs-Erkrankung zu verhindern.

Solche Untersuchungen wären also praktikabel und jeder weiteren Kaffeesatzleserei mit Fall-Kontroll-Studien vorzuziehen. Tsoref und Mitarbeiter drücken dies etwas diplomatischer aus - sie sprechen von einem Wendepunkt: weg von der Epidemiologie, hin zu randomisiert kontrollierten Studien. (mut)

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