Ärzte Zeitung online, 20.02.2014

Krebserkrankung

Verschlossener Patient macht Partnern Angst

Angehörige von Krebspatienten, die sich mit ihrer Erkrankung in sich zurückziehen, leiden häufiger an Angstsymptomen. Bei "verschlossenen" Krebspatienten sollten Ärzte deswegen besonders auf die Verfassung der Angehörigen achten.

BERLIN. Wie kommunizieren Paare miteinander, in denen ein Partner an Krebs erkrankt ist? Und wie belasten Angst und Depressionen die Partner? Das haben Forscher der Universität Heidelberg in 189 Paaren untersucht.

Die Ergebnisse sind jetzt beim Deutschen Krebskongress in Berlin vorgestellt worden. Der Angehörige des Krebskranken war dabei in acht von zehn Fällen der Ehepartner. Ansonsten handelte es sich meist um ein erwachsenes Kind.

"Etwa jeder sechste Angehörige gibt an, dass der jeweilige Partner mit ihm über dessen Erkrankung kaum spricht", sagte Diplom-Psychologin Mechthild Hartmann.

Bei Angehörigen, die von unzureichender Kommunikation mit dem Partner, also dem Patienten, berichteten, war die Wahrscheinlichkeit, dass auf einem standardisierten Angst-Score pathologische Werte erzielt wurden, höher als bei Angehörigen mit kommunikativeren Partner-Patienten.

Insgesamt fanden die Heidelberger Wissenschaftler bei 36 Prozent der Angehörigen Angstsymptome in behandlungsbedürftigem Ausmaß. Für Hartmann bieten diese Ergebnisse einen Ansatzpunkt für eine gezielte psychoonkologische Betreuung. Denn häufig würden betreuungsbedürftige Angehörige gar nicht erst identifiziert, weil sie zu selten beim Arzt in Erscheinung treten.

In Heidelberg erkundigen sich die behandelnden Ärzte bei Patienten, die sehr in sich gekehrt sind, deswegen mittlerweile verstärkt nach dem Wohlbefinden der Angehörigen. Auch bieten die Psychoonkologen dort Sprechstunden an, die Angehörige ohne ihre erkrankten Partner besuchen können, wenn sie psychosoziale Unterstützung benötigen. (gvg)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »