Ärzte Zeitung, 28.03.2014

Ovarial-Ca

Gen für besonders aggressives Karzinom entdeckt

KIEL. Forscher der Universität zu Kiel und am Uniklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, haben in einer transatlantischen Studie das verantwortliche Gen für eine seltene, aber besonders aggressive Form des Ovarial-Ca identifiziert, an der besonders junge Frauen erkranken.

Sie konnten zeigen, dass Veränderungen des Gens SMARCA4 sowohl mit der erblichen Variante als auch dem vereinzelten Auftreten dieser Krebsart zusammen hängen (Nature Genetics 2014, online 23. März), teilt die Uni Kiel mit.

Eine besonders aggressive Form von Eierstockkrebs, das kleinzellige Ovarialkarzinom vom hyperkalzämischen Typ, betrifft besonders junge Frauen, erinnert die Uni Kiel in ihrer Mitteilung.

Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei nur etwa 25 Jahren, auch Kinder können betroffen sein. In einigen Familien tritt die Krebsform gehäuft auf, was auf eine erbliche Veranlagung hinweist.

Obwohl selten, hat das kleinzellige Ovarialkarzinom vom hyperkalzämischen Typ wegen der ungünstigen Prognose und des frühen Erkrankungsalter eine große klinische Bedeutung.

"Durch die Identifizierung eines spezifischen genetischen Faktors haben wir jetzt die Möglichkeit für eine frühzeitige humangenetische Beratung und Diagnostik Wir können Frauen mit einem erhöhten Risiko für diese Erkrankungen humangenetisch testen, bevor die Erkrankung entsteht. Dies eröffnet neue Möglichkeiten der Prävention und Therapie", wird der Koordinator der Studie zitiert, Dr. Williams Foulkes, Leiter des tumorgenetischen Labors des Lady Davis Institute (LDI) des Jewish General Hospital und des Programms für Tumorgenetik der McGill Universität in Montreal, Kanada.

Bereits vor einigen Jahren konnten Forscher zeigen, dass Veränderungen eines bestimmten Gens, SMARCA4 genannt, im Zusammenhang mit einer erblichen Veranlagung für Krebserkrankungen stehen, berichtet die Uni Kiel.

Die Kieler Arbeitsgruppe habe Tests zum Nachweis von Veränderungen dieses Gens entwickelt. Dies sowie ihre spezifische Expertise im Bereich der Tumorgenetik und molekularen Zytogenetik seien die Gründe gewesen, warum Forscher der McGill Universität die Zusammenarbeit mit den Kieler Kollegen gesucht hätten.

"Wir konnten im Jahr 2010 weltweit erstmals zeigen, dass erbliche Veränderungen im SMARCA4-Gen mit einer Veranlagung für sogenannte maligne Rhabdoidtumoren (Tumoren des Gehirns, der Nieren und des Weichgewebes) einhergehen, die bei sehr jungen Säuglingen auftreten", wird Professor Reiner Siebert zitiert, Co-Autor der jetzt publizierten Studie.

"Die neuen genetischen Befunde beim kleinzelligen Ovarialkarzinom vom hyperkalzämischen Typ legen die Vermutung nahe, dass diese Form von Eierstockkrebs mit den Rhabdoidtumoren in seiner Entstehung verwandt ist."

Für die jetzt veröffentlichte Studie sequenzierten die Wissenschaftler alle Gene des menschlichen Genoms bei Patientinnen mit kleinzelligem Ovarial-Ca vom hyperkalzämischen Typ aus drei Familien.

Sie konnten zeigen, dass in allen drei Familien Veränderungen des SMARCA4-Gens die Erkrankung verursachten. Die Analyse einer vierten Familie bestätigten diese Befunde.Es konnte außerdem nachgewiesen werden, dass in der nicht-familiären Form dieses Tumors das SMARCA4-Gen ausgeschaltet ist.

Insgesamt zeigten über 90 Prozent der Tumore dieses Subtyps eine SMARCA4-Inaktivierung. Die Bedeutung der SMARCA4-Inaktivierung für die Entstehung von kleinzelligen Ovarial-Ca vom hyperkalzämischen Typ bestätigten zwei zeitgleich publizierte Arbeiten amerikanischer Arbeitsgruppen.

"Ein Gentest für eine erbliche Veranlagung für das kleinzellige Ovarialkarzinom vom hyperkalzämischen Typ bieten wir ab sofort auch bei uns in Kiel an", so Siebert in der Mitteilung der Uni Kiel.

"Allerdings wird vorab in einer humangenetischen Beratung durch einen Facharzt oder eine Fachärztin für Humangenetik besprochen, ob ein solcher Gentest sinnvoll ist und welche Konsequenzen sich aus dem Testergebnis ergeben können." Natürlich sei ein solcher Gentest freiwillig.

Einen Termin für eine humangenetische Beratung können Interessierte vereinbaren unter: 0431/597-4996. (eb)

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