Ärzte Zeitung App, 09.12.2014

Folgen von Adipositas

Krebskrank durch zu viel Hüftspeck

Weltweit gehen etwa 3,6 Prozent der Karzinome auf Übergewicht zurück. Das klingt zwar nicht besonders viel. Aber: In entwickelten Ländern wie Deutschland ist die Quote höher. Und Frauen sind besonders gefährdet.

Immer mehr Krebserkrankungen durch Übergewicht

Übergewicht bringt viele Risikofaktoren mit sich - auch das Risiko für Krebst steigt offenbar.

© Michelle Meiklejohn / Fotolia.com

LYON. 481.000 aller im Jahr 2012 weltweit neu aufgetretenen Krebstumoren von Erwachsenen über 30 Jahre sind einem erhöhten Body-Mass-Index (BMI) von über 25 kg/m2 zuzurechnen.

Entsprechende Schätzungen hat eine Forschergruppe der International Agency for Research on Cancer (IARC) vorgelegt (Lancet Oncol 2014; online 26. November).

Die IARC ist eine spezialisierte Agentur der WHO, zu deren Aufgaben es gehört, epidemiologische Daten zu Krebserkrankungen zu sammeln und zu publizieren.

Für ihre Kalkulationen benutzten die IARC-Wissenschaftler um Melina Arnold (Lyon) Daten der Global Burden of Metabolic Risk Factors of Chronic Diseases Collaborating Group, des World Cancer Research Fund und von GLOBOCAN 2012, der IARC-Statistik zur Prävalenz, Inzidenz und Mortalität von Malignomen.

Diese setzten sie zueinander in Beziehung und gewannen so Schätzwerte für den Anteil an bösartigen Tumoren, der einem erhöhten BMI bzw. Adipositas zugeschrieben werden kann. Dabei gingen die Forscher von einem kausalen Zusammenhang aus.

Tschechische Republik mit hohen Werten

Der BMI-Anteil an den Krebserkrankungen lag für Frauen höher als für Männer (5,4 vs. 1,9 Prozent).

Die Ursache dafür ist, dass unter den drei Tumorentitäten, auf die zusammen 63 Prozent aller dem BMI zuzuordnenden Krebserkrankungen entfallen, mit dem Endometriumkarzinom und postmenopausalen Brustkrebs zwei gynäkologische Malignome vertreten sind. Die dritte Entität ist das Kolonkarzinom.

Unterschiede gab es auch zwischen den einzelnen Krebsarten. Die BMI-Beteiligung schwankte bei Männern zwischen 6,2 Prozent (Rektumkarzinom) und 33,3 Prozent (Adenokarzinom des Ösophagus), bei den Frauen zwischen 3,6 Prozent (Rektumkarzinom) und 34,0 Prozent (Endometriumkarzinom, Adenokarzinom des Ösophagus).

In den am höchsten entwickelten Ländern war der BMI-Beitrag zur Krebslast des Jahres 2012 höher als für die wenig entwickelten Gegenden (5,3 vs. 1,0 Prozent).

Der höchste Wert für Männer wurde mit 5,5 Prozent in der Tschechischen Republik erreicht. Bei den Frauen führte Barbados die Liste mit 12,7 Prozent an, gefolgt von der Tschechischen Republik mit 12,0 Prozent.

Deutschland: Quote bei Frauen liegt deutlich über den der Männer

Deutschland lag für Männer (über 3,1 Prozent) wie für Frauen (über 8,5 Prozent) in der Gruppe mit den höchsten Anteilen an BMI-bedingtem Karzinom. Für die Männer erreichte der einer Adipositas zurechenbare Anteil an allen Krebserkrankungen 3,9 Prozent.

Im Einzelnen ergaben sich folgende Quoten: Ösophagus-Adenokarzinom 46 Prozent; Kolonkarzinom 20 Prozent; Rektumkarzinom 10 Prozent; Pankreaskarzinom 13 Prozent; Nierenkrebs 24 Prozent.

Bei den Frauen in Deutschland gingen 8,9 Prozent aller Krebstumoren auf Übergewicht zurück.

Im Detail bedeutete dies: Adenokarzinom des Ösophagus 45 Prozent; Kolonkarzinom 10 Prozent; Rektumkarzinom 5 Prozent; Krebs der Gallenblase 51 Prozent; Pankreaskrebs 10 Prozent; postmenopausaler Brustkrebs 12 Prozent; Endometriumkarzinom 43 Prozent; Ovarialkarzinom 6 Prozent; Nierenkrebs 30 Prozent.

Wie Arnold und Kollegen berechnet haben, wären weltweit 118.000 der 481.000 Krebserkrankungen mit Bezug zu hohem BMI vermieden worden, wenn die BMI-Werte auf dem Stand von 1982 verharrt hätten. (rb)

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