Ärzte Zeitung online, 26.12.2014

Kleine papilläre Schilddrüsenkarzinome

Alter des Patienten für Prognose ausschlaggebend

Bei immer mehr Menschen finden sich kleine papilläre Schilddrüsenkarzinome, deren Durchmesser bei maximal 2 cm liegt. Sollten sie nur beobachtet oder operiert werden? Eine Studie zeigt: Die Prognose hängt vom Alter des Patienten ab.

Von Veronika Schlimpert

BETHESDA/ MARYLAND. Sie sind zwar klein, doch offenbar nicht zu unterschätzen - kleine papilläre Schilddrüsenkarzinome (< 2 cm), deren Inzidenz immer mehr zunimmt.

Diese Tatsache wirft im klinischen Alltag Fragen auf: Bei welchen Patienten reicht es aus, die Karzinome zu beobachten, und wann sollte man die Schilddrüse entfernen?

Es gilt also, Kriterien zu identifizieren, mit denen sich jene Patienten selektieren lassen, die für ein nicht-operatives Management infrage kommen könnten.

Die Wissenschaftler Naris Nilubol und Electron Kebebew aus Bethesda (Maryland) schauten deshalb im "Surveillance, Epidemiology, and End Results" (SEER)-Register nach, wie viele durch Schilddrüsenkarzinome bedingte Todesfälle überhaupt den kleinen papillären Schilddrüsenkarzinomen zuzuschreiben sind (Cancer 2014; online 25. November).

Heraus kam: 12,3 Prozent von insgesamt 1753 Patienten, die trotz Thyreoidektomie im Beobachtungszeitraum (1988-2007) an einem Schilddrüsenkrebs verstorben waren, hatten ein kleines papilläres Schilddrüsenkarzinom gehabt.

Die Gesamt-Sterblichkeit aufgrund von Schilddrüsenkarzinome betrug 2,8 Prozent, wovon das meiste, nämlich 38 Prozent, auf das Konto der papillären Schilddrüsenkarzinomen (papillary thyroid cancer, PTC) ging, gefolgt von anaplastischen (31,3 Prozent) und follikulären Karzinome (10 Prozent).

Wie zu erwarten war, stieg die Rate an kleinen PTC an, von 51 Prozent im Jahr 1998 auf 59 Prozent in 2007.

Das Alter ist ausschlaggebend

Doch welche Faktoren beeinflussen die Prognose von Patienten mit PTC kleiner als 2 cm? Als unabhängigen Risikofaktor konnten die Studienautoren das Alter ausmachen: Sind die Patienten über 45 Jahre, sterben sie eher als jüngere (Hazard Ratio, HR: 12,2).

Daneben erhöhen eine extrathyreoidale Ausbreitung (HR, 2,8), Lymphknotenmetastasen und Fernmetastasen (HR: 5,4 und 6,4) das Risiko, an einem kleinen PTC zu sterben.

An diesen pathologischen Faktoren litten Männer öfter als Frauen, sie hatten auch die höhere Sterblichkeit. Für Patienten, die eine externe Strahlentherapie bzw. Radiojodtherapie erhalten hatten, war die Überlebenschance ebenfalls geringer (HR: 8,9 bzw. 8,1).

Und durchaus relevant, wenn es um die Entscheidung "Op. ja, oder nein?" geht: Patienten, bei denen weniger als eine Lobektomie der Schilddrüse unternommen worden war, starben eher (HR: 13,7). Mindestens zwei der aufgezählten Risikofaktoren fanden sich bei insgesamt 92 Prozent der Patienten, die an einem papillärem Mikrokarzinom verstorben waren.

Nicht operatives Management nur behutsam einsetzen

Bei Patienten mit einem PTC von maximal 2 cm, die über 45 Jahre oder männlichen Geschlechts sind, sollte also zumindest eine Lobektomie unternommen werden, schlussfolgern die Studienautoren. Denn mache man weniger als das, steige das Mortalitätsrisiko.

Für Patienten, welche solche Risikofaktoren wie Lymphknotenmetastasen nicht aufweisen, scheine ein nicht operatives Management zwar sinnvoll. Doch könnte man das Vorhandensein dieser Faktoren nicht exakt genug durch eine radiologische Bildgebung beurteilen, geben die Wissenschaftler zu bedenken.

Daher sollte auch im Hinblick auf die steigende Inzidenz kleiner PTC ein nicht operatives Management bei diesem wachsenden Patientenkollektiv nur behutsam eingesetzt werden.

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