Direkt zum Inhaltsbereich

Palliativmedizin

13 Zeichen für den nahen Tod

Palliativmediziner haben 13 Merkmale zusammengestellt, die bei Krebspatienten im Endstadium auf einen unmittelbar bevorstehenden Tod hindeuten. Das soll Betroffenen und Angehörigen helfen, sich auf den Abschied vorzubereiten.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Um Angehörigen Zeit für den Abschied zu geben, ist es entscheidend, dass Ärzte entsprechende Anzeichen früh deuten können.

Um Angehörigen Zeit für den Abschied zu geben, ist es entscheidend, dass Ärzte entsprechende Anzeichen früh deuten können.

© Claudio's Pics / fotolia.com

HOUSTON. Wenn der Tumor die Oberhand gewinnt und das Leben langsam aus dem Körper weicht, dann mag es sowohl für die Patienten als auch deren Angehörige wichtig sein, sich auf den unmittelbar bevorstehenden Tod vorzubereiten.

Die Patienten wollen dann vielleicht auf aggressive Therapien verzichten, die Angehörigen die letzten Angelegenheiten regeln und sich vom Patienten verabschieden.

Aus solchen Gründen kann es sehr wichtig sein, dass Ärzte den Zeitpunkt erkennen, ab dem es nur noch wenige Tage bis zum Tod dauert, schreiben Palliativmediziner um Dr. David Hui von der Universität in Houston (Cancer 2015; online 9. Februar).

62 Zeichen analysiert

Um den Todeszeitpunkt etwas besser vorherzusagen, haben sie prospektiv Daten von knapp 360 Krebspatienten im Durchschnittsalter von 58 Jahren analysiert, die auf Palliativstationen in den USA und Brasilien versorgt wurden.

Rund 200 starben auf den Stationen, die übrigen wurden vor ihrem Tod entlassen. Bei allen Patienten überprüften Ärzte und Pfleger im Zwölf-Stunden-Rhythmus 62 Zeichen, die nach Literaturangaben auf einen kurz bevorstehenden Tod hindeuten.

Bei Patienten, die auf den Stationen starben, schauten sie anschließend, welche Zeichen in den drei Tagen vor dem Tod zu erkennen waren.

In einer ersten publizierten Auswertung hatten sich die Forscher auf zehn Zeichen konzentriert, die in der Literatur am häufigsten als Prädiktoren für den nahen Tod erwähnt wurden.

Von diesen waren aber nur fünf tatsächlich hochspezifisch: fehlender Puls der Arteria radialis, verminderte Urinproduktion, Cheyne-Stokes-Atmung, Atmung mit Unterkieferbewegung sowie Rasselatmung.

Nun analysierten sie, ob von den übrigen 52, weniger häufig erwähnten Zeichen ebenfalls einige gut geeignet sind, einen kurz bevorstehenden Tod anzukündigen.

Dies war dann der Fall, wenn die Drei-Tages-Sterberate bei Patienten mit einem solchen Merkmal mehr als fünffach höher lag als bei Patienten ohne das Zeichen (positiver Likelihood-Quotient, LR+, > 5)

Pupillenreflex ist aussagekräftig

In der Tat fanden sie acht weitere hochspezifische Zeichen. Am aussagekräftigsten ist danach ein fehlender Pupillenreflex: Hier liegt die Spezifität bei 99 Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit, bei einem solchen Merkmal in den nächsten drei Tagen zu sterben, ist danach knapp 17-mal höher als zu überleben.

Sind die Patienten nicht mehr in der Lage, die Augenlider zu schließen, so ist die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten drei Tage zu sterben, knapp 14-mal höher als zu überleben (Spezifität: 98 Prozent).

Grunzende Laute durch Stimmbandvibrationen beim Ausatmen deuten mit einer Spezifität von knapp 98 Prozent auf den nahen Tod (LR+=11,8).

Aussagekräftig sind auch Blutungen im oberen Verdauungstrakt (LR+ = 10,3), eine schlaffe Nasolabialfalte (LR+ = 8,3), eine Halsüberstreckung (LR+ = 7,3) sowie eine schwache Reaktion auf verbale (LR+ = 8,3) und visuelle Reize (LR+ = 6,7).

Eine schlaffe Nasolabialfalte und eine schwache Reaktion auf verbale Stimuli deuten unabhängig von den anderen Zeichen auf ein nahes Ende.

Allerdings war die Spezifität bei den meisten Merkmalen recht niedrig und reichte von 34 Prozent (schlaffe Nasolabialfalte) bis nur 5 Prozent (gastrointestinale Blutungen).

Fehlen diese Zeichen, heißt das also noch lange nicht, dass die Patienten die nächsten Tage überstehen, bei einem oder mehreren der Merkmale ist hingegen die Chance, noch etwas länger zu leben, äußerst gering.

Treten solche Zeichen auf, helfen sie Ärzten, die richtigen Entscheidungen zu treffen, schreiben die Autoren. Sie können etwa die Patienten nach Hause entlassen oder die Medikamente anpassen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

IGES-Gutachten

Bei den Krebsregistern bremst föderale Vielfalt die Datenqualität

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© FOMF

Forum für medizinische Fortbildung

Eviplex: KI-gestützte Recherche speziell für den medizinischen Alltag

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Rudolf Hege 20.02.201915:11 Uhr

Widersprüchlicher Text?

Der Text erweckt u.a. den Eindruck, dass die genannten Symptome es u.a. ermöglichen würden, dass die Patienten (sic) noch Entscheidungen treffen oder sich auf den bevorstehenden Tod vorbereiten könnten.
Nun bin ich kein Palliativmediziner oder Sterbebegleiter, aber aus meiner Zeit im Rettungsdienst, meine ich mich zu erinnern, dass Patienten mit diesen Symptomen in der Regel kaum oder gar nicht mehr ansprechbar waren. Irre ich mich?

Dr. Wolfgang P. Bayerl 05.03.201510:08 Uhr

Pseudomedizin, eher unmenschlich.

---

Sonderberichte zum Thema
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruck-Schwankungen: Worauf es dann ankommt

Global-Burden-of-Disease-Erhebung

Weltweit immer mehr Fälle von Anorexie und Bulimie

Lesetipps
Ein Kind erhält eine Spritze und schaut ängstlich weg.

© yanadjan / stock.adobe.com

Vom Schmerzgel bis zum Wiegenlied

Zehn Strategien gegen Impfstress

Die Rückseite eines jungen Mannes mit großflächigen Tätowierungen.

© PeopleImages / Getty Images / iS

Kasuistik

Lebensgefahr! Tattoo mit schockierenden Folgen

Nahaufnahme des rechten Handegelenks eines Patienten das mit einer Handgelenksschiene ruhig gestellt ist.

© Ondrej Novotny / stock.adobe.com

Therapie der ersten Wahl

Was bringt eine Handgelenksschiene beim Karpaltunnelsyndrom?