Ärzte Zeitung, 24.08.2015

HPV-Impfung

Nach Krebs in der Kindheit besonders wichtig

Kinder und junge Erwachsene, die eine Krebserkrankung überlebt haben, tragen ein höheres Risiko für Infektionen mit humanen Papillomaviren. Dennoch sind die Impfraten unter den Betroffenen niedrig.

Von Robert Bublak

Nach Krebs in der Kindheit besonders wichtig

HPV-Impfung: Offenbar haben viele Krebs-Überlebende keinen Schutz gegen HPV.

© Brian Chase / iStock / Thinkstock

BETHESDA/MARYLAND. Frauen, die als Kinder oder Jugendliche ein Malignom überstanden haben, erkranken rund 40 Prozent häufiger an HPV-assoziiertem Krebs als Frauen im Allgemeinen. Bei Männern beträgt der Überschuss an Tumordiagnosen in Verbindung mit HPV sogar 150 Prozent.

Auf diese Zahlen, die auf die "Surveillance, Epidemiology, and End Results"-Datenbank des Nationalen Krebsinstituts der USA (NCI) zurückgehen, haben Sarah Temkin und Nita Seibel in einem Übersichtsartikel für das Fachjournal "Cancer" hingewiesen (Cancer 2015, online 25. Juni).

Die beiden Onkologinnen vom NCI in Bethesda betonen die direkten und indirekten Wirkungen von Krebstherapien auf das erhöhte Risiko für HPV-Persistenz und -Komplikationen. So könne ein Teil der Folgemalignome auf HPV-Infekte zurückgehen, etwa weil nach einer Stammzellübertragung, einer Bestrahlung der Beckenregion oder anderen Therapien eine anhaltende Immunsuppression vorliege.

"Im Genitalbereich nachzuweisende HPV sind als Spätkomplikation in einer Kohorte von Patienten beschrieben worden, denen allogene Stammzellen übertragen worden waren", schreiben Temkin und Seibel. Ein Drittel der Langzeitüberlebenden habe an HPV-assoziierten Erkrankungen gelitten.

Besondere Verhaltensrisien

Hinzu kommen besondere Verhaltensrisiken. Überlebende, die sich nach durchgemachter Krebstherapie als infertil betrachten, praktizieren womöglich riskanteren Sex. Damit steigt auch ihr Risiko, sich mit HPV anzustecken. Es gibt auch Hinweise, wonach Frauen, die in der Kindheit krebskrank gewesen sind, später seltener zum Pap-Test erscheinen.

Zu den HPV-Impfraten bei Überlebenden von Krebs im jungen Alter existieren kaum Daten. Soweit vorhanden, sprechen sie für eine relativ niedrige Impfbeteiligung von etwa 33 Prozent. Die Raten liegen durchweg niedriger als bei Kontrollpersonen.

Temkin und Seibel fordern die behandelnden Ärzte deshalb auf, die betroffene Patientengruppe gezielt über die Wichtigkeit der Impfung zu unterrichten: "Das sollte zur Routine bei Nachsorgeuntersuchungen gehören." Eine normale Immunfunktion sei meist sechs Monate nach Abschluss der Behandlung erreicht.

Die Onkologinnen schlagen folgendes Vorgehen bei Überlebenden von Krebserkrankungen im Alter von 9 bis 26 Jahren vor:

  • Bekannte HPV-Erkrankung: entsprechende Therapie veranlassen;
  • Keine bekannte HPV-Erkrankung, aktive Krebstherapie: HPV-Impfung bis sechs Monate nach der Behandlung aufschieben;
  • Keine bekannte HPV-Erkrankung, Therapieende liegt noch keine sechs Monate zurück: Aufschub der Impfung erwägen;
  • Keine bekannte HPV-Erkrankung, seit Behandlungsende sind mehr als sechs Monate vergangen: HPV-Impfung empfehlen.

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