Ärzte Zeitung online, 18.11.2015

Forschung

PFI-3 zwingt Stammzellen zur Entwicklung

FREIBURG. Forschern ist es in tierischen Zellen erstmals gelungen, einen wichtigen Erbgut-Organisator von Stammzellen - den Molekülkomplex BAF - chemisch zu blockieren. Daraufhin entwickelten sich die Stammzellen unkontrolliert oder zu schnell (Sci Adv 2015; 1:e1500723).

Das Vorgehen erlaubt detailliertere Untersuchungen der Erbgut-Aktivität in Stammzellen und auch in Krebszellen, heißt es in einer Mitteilung der Uniklinik Freiburg. Bei letzteren ist BAF oft übermäßig aktiv. Bei dem von britischen Kollaborationspartnern entwickelten chemischen Hemmstoff PFI-3 handelt es sich um einen veränderter Vorläufer der Acetylsalicylsäure.

"Die Substanz verändert bereits in geringer Konzentration den Charakter der Stammzellen und beeinflusst außerdem ihre Art der Entwicklung", wird Dr. Thomas Günther, Klinik für Urologie des Uniklinikums Freiburg zitiert. Damit lässt sich nun die Bedeutung des Molekülkomplexes genauer erforschen.

Für die Studie hatte die Doktorandin Josefina Castex aus der Arbeitsgruppe von Günther verschiedene Stammzell-Typen der Maus untersucht. Sie behandelte die isolierten Zellen für acht Tage mit dem Hemmstoff.Stammzellen, die später die Plazenta ausbilden, entwickelten sich im Versuch schneller zu spezialisierten Zellen, behielten dabei aber ihre normalen Eigenschaften, heißt es weiter in der Mitteilung.

Embryonale Stammzellen dagegen verloren ihre Eigenschaften und entwickelten sich unkontrolliert weiter. Die Forscher werden nun die genauen Wechselwirkungen zwischen Hemmstoff, Aktivator und Erbgut untersuchen.Auch den Einfluss auf Krebszellen untersuchten die Forscher.

"Bestimmte BAF-Varianten stehen im Verdacht, Krebs zu fördern", so Professor Roland Schüle, wissenschaftlicher Direktor der Klinik für Urologie und Direktor der Zentralen Klinischen Forschung des Universitätsklinikums Freiburg.

"Darum wäre ein zuverlässiger Hemmstoff für BAF auch therapeutisch höchst interessant."Zwar hätten die Forscher bei einer ersten Untersuchung keinen direkten Einfluss auf Krebszellen festgestellt. Wie Krebszellen mit anderen BAF-Varianten auf die Behandlung reagieren, ist bislang noch unklar. (eb)

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