Ärzte Zeitung, 18.01.2016

Rektum-Ca

Abwarten ist eine Option

Abwartendes Beobachten kann bei Rektumkrebs mitunter ein dauerhaftes Kolostoma ersparen, ohne das onkologische Risiko zu erhöhen. Vorausgesetzt ist das vollständige klinische Ansprechen auf eine Radiochemotherapie.

MANCHESTER. Eignet sich die Option "Abwarten und Beobachten" für das Krankheitsmanagement bei Patienten mit Rektumkarzinom ohne Fernmetastasen, die nach einer Radiochemotherapie keine klinischen Zeichen eines Resttumors mehr aufweisen? Dieser Frage ist die OnCoRe (Oncological Outcomes after Clinical Complete Response in Patients with Rectal Cancer)-Studie im Zuge einer Kohortenanalyse nachgegangen (Lancet Oncol 2015, online 16. Dezember).

Ein Team von Forschern um Andrew Renehan von der University of Manchester hatte dafür 259 Patienten gewonnen. 228 von ihnen hatten nicht vollständig auf die Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie angesprochen und unterzogen sich einer chirurgischen Resektion.

31 jedoch wiesen acht Wochen nach Abschluss der Radiochemotherapie oder später keine residuale Ulzeration oder Stenose und keine Raumforderung bei digitaler und endoskopischer rektaler Untersuchung mehr auf. Ihnen boten die Ärzte ein abwartendes und beobachtendes Vorgehen an, und die Patienten ließen sich darauf ein.

Die Daten weiterer 98 auf diese Art geführter Patienten flossen aus Krebsregistern benachbarter Zentren in die Studie ein.

Den primären Endpunkt der Untersuchung bildete das Ausbleiben oder das Eintreten erneuten Tumorwachstums. Rezidive erlitten während der median 33-monatigen Nachbeobachtungszeit 44 der 129 (34 Prozent) abwartend behandelten Patienten; 42 Läsionen waren auf die Mukosa beschränkt. 41 Patienten konnten einer Salvage-Therapie zugeführt werden, 36 von ihnen unterzogen sich einer Resektion.

Die entfernten Tumoren waren im Stadium ypT1 (5), ypT2 (10) bzw. ypT3 (16), der Lymphknotenstatus wurde mit ypN0 (24), ypN1 (6) beziehungsweise ypN2 (1) angegeben. Fünf Patienten erhielten lokale Kontaktbestrahlungen, drei Patienten wiesen Metastasen auf.

In einer beispielsweise nach Tumorstadium, Alter und körperlicher Verfassung abgeglichenen Analyse von je 109 Patienten aus beiden Therapiegruppen errechneten die Wissenschaftler die Raten des tumorfreien Überlebens: 88 Prozent für Abwarten und Beobachten, 78 Prozent nach chirurgischer Resektion.

Die Differenz war statistisch nicht signifikant (p = 0,043; die Forscher hatten für die Studie eine konservative Schwelle gewählt: p < 0,01). Gleiches galt für die Gesamtüberlebensraten, die bei 96, beziehungsweise 87 Prozent lagen (p = 0,024).

Mit Blick auf die Notwendigkeit, ein dauerhaftes Kolostoma anzulegen, erwies sich die abwartende Strategie als vorteilhaft: 74 Prozent der beobachtend behandelten und 47 Prozent der operierten Patienten benötigten in den ersten drei Jahren keinen Anus praeternaturalis (p < 0,0001, Hazard Ratio 0,445).

Renehan und seine Kollegen beobachteten zudem einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt des vollständigen Ansprechens auf die Radiochemotherapie und der Rate von Lokalrezidiven. Diese Raten waren geringer, wenn die Entscheidung für das abwartende und beobachtende Vorgehen vor der 14. oder nach der 24. Woche, vom Beginn der Behandlung an gerechnet, gefallen war. (rb)

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