Ärzte Zeitung, 24.02.2016

Studie bestätigt

Parodontitis erhöht offenbar Risiko für Krebs

Eine Parodontitis, vor allem wenn sie in einen massiven Zahnausfall resultiert, erhöht anscheinend das Krebsrisiko. Das gilt besonders für Krebserkrankungen, die auch durch Rauchen begünstigt werden.

Von Beate Schumacher

Parodontitis erhöht offenbar Risiko für Krebs

Schon länger vermutet - nun anscheinend durch eine Studie bestätigt: der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Krebs.

© Eric Fahrner / Fotolia.com

BOSTON. Bei einer Parodontitis bleibt das entzündliche Geschehen nicht auf die Mundhöhle beschränkt. Durch die veränderte bakterielle Besiedelung im Mund werden auch systemische Entzündungsprozesse und Veränderungen im Immunsystem angestoßen.

 Sie sind vermutlich verantwortlich dafür, dass Menschen mit Parodontitis ein erhöhtes Risiko haben, eine Atherosklerose zu entwickeln oder einen Schlaganfall zu erleiden. Sie könnten aber auch die Entstehung von Krebs begünstigen. Ein solcher Zusammenhang wurde schon in mehreren prospektiven Kohortenstudien gesehen und wird jetzt durch 26-Jahres-Daten der Health Professionals Follow-up Study (HPFS) erneut bestätigt (Ann Oncol 2016; online 24. Januar).

Nichtraucher untersucht

Um die Effekte der Parodontitis von denen des Rauchens, einem Hauptrisikofaktor für die Parodontitis, trennen zu können, wurden nur die Daten von Männern ausgewertet, die nie geraucht hatten. Die 19.933 Nichtraucher waren bei Studieneinschluss zwischen 40 und 75 Jahre alt, eine Parodontitis war damals bei 9,7 Prozent bekannt. An einer fortgeschrittenen Parodontitis, bei der definitionsgemäß weniger als 17 Zähne verblieben, litten 3 Prozent der Teilnehmer.

Im Vergleich zu Männern mit gesundem Zahnhalteapparat lag die Krebsrate bei Parodontitis um 13 Prozent und bei fortgeschrittener Parodontitis um 44 Prozent höher. Die häufigsten Tumoren in dieser Kohorte (von Nichtrauchern!), nämlich Karzinome der Prostata und des Kolorektums sowie Melanome, waren davon allerdings nicht betroffen.

Die Assoziation war vielmehr auf Krebserkrankungen beschränkt, für die Rauchen ein etablierter Risikofaktor ist. Karzinome in Lunge, Blase, Oropharynx, Ösophagus, Niere, Magen und Leber traten bei Männern mit Parodontitis um 33 Prozent häufiger auf. Bei massivem Zahnverlust infolge der Parodontitis war das Risiko für einen tabakassoziierten Krebs sogar auf das 2,5-Fache gesteigert.

Die stärksten Risikozunahmen im Zusammenhang mit einer fortgeschrittenen Parodontitis wurden - allerdings basierend auf wenigen Fällen - für Blasen-, Speiseröhren- und Kopf-Hals-Tumoren festgestellt; diese Krebserkrankungen waren fünf- bis sechsmal so häufig wie bei Männern mit gesundem Parodontium.

Die "wahre Herausforderung" besteht laut den Studienautoren um Dominique S. Michaud, Tufts University School of Medicine, Boston, nun darin, die Kausalität des beobachteten Zusammenhangs zu bewerten.

Die Tatsache, dass alle Untersuchungen zu diesem Thema in großen prospektiven Kohorten eine solche Assoziation ergeben hätten, spreche aber dafür, dass die Parodontitis den Krebs fördert - und nicht umgekehrt.

Aufgrund der systemischen und immunologischen Auswirkungen einer Parodontitis sei dies auch biologisch plausibel. Da nur tabakassoziierte Krebserkrankungen vermehrt auftraten, könnte die Parodontitis ähnlich wie das Rauchen über Veränderungen des Immunstatus wirken, so Michaud und Kollegen. Zusätzlich sei aber auch denkbar, dass bestimmte genetische Konstellationen sowohl für die Parodontitis als auch für diese Karzinome anfällig machten.

[25.02.2016, 11:02:33]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Mit der Statististik und der KIausalität ist das so eine Sache :-)
Wie wärs denn damit,
dass die Immunologie mit beiden Dingen (kausal) zusammenhängt?
Wobei zweifellos die simple Zahnpflege im Alter für die nachlassende Immunologie ganz sicher wirksam bleibt.
Ein Blick "ins Gebiss" war immer schon sehr aufschlussreich sowohl für Alter wie für Gesundheit.
(Selbst beim Pferdehändler). zum Beitrag »
[24.02.2016, 21:53:51]
Michael Peuser 
Paradontitis und Krebs
Paradontitis ist eine Störung der Mikrozirkulation in den 150.000 km Kapillaren zur Versorgung der 75 Billionen Zellen. Die Ursachen sind a) Verengung der feinen Kapillaren, die einen Innendurchmesser von 7 mikron haben sollen, der dem Aussendurchmesser der roten Blutkörperchen entspricht (alle Ursachen der Verengung sind im Buch "KAPILLAREN BESTIMMEN UNSER SCHICKSAL" beschrieben) b) verminderte Fliessfähigkeit des Blutes, c) nicht artgerechter pH-Wert, so dass die roten Blutkörperchen ihre Elastizität einbüssen und d) Siliziummangel, der zum Zusammenbrechen der Kapillarenwände führt. Diese 4 Punkte sind auch die Hauptursache von Krebs, so dass Paradontitis und Krebs gemeinsam entstehen können.
Michael Peuser
Staatspreisträger in Brasilien
mpeuser@hotmail.com zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »