Ärzte Zeitung, 13.07.2016

Schleswig-Holstein

Bundesweit einmaliger Krebsatlas

Schleswig-Holsteins Krebsatlas setzt bundesweit Standards mit Blick auf die Fülle der Daten aus mehr als 1000 Gemeinden sowie 170 Regionen. Jetzt liegen neue Ergebnisse vor.

Von Dirk Schnack

krebsatlas-AH.jpg

© fotolia.com

KIEL. Ein bundesweit einmaliger Krebsatlas steht in Schleswig-Holstein als Datengrundlage für die weitere Erforschung der Krankheit zur Verfügung. Der vom Krebsregister erstellte Atlas zeigt für mehr als 1000 Gemeinden sowie für 170 Regionen des Bundeslandes, wie sich Erkrankungsrisiko, Überlebenszeiten und Krebssterblichkeit für einen Zehn-Jahreszeitraum räumlich verteilen. Ergebnis: Die Unterschiede zwischen den Regionen sind deutlich geringer als angenommen.

"Die Unterschiede hinsichtlich der Krebsinzidenz, der Krebssterblichkeit und der Überlebenszeit nach einer Krebsdiagnose sind sehr viel geringer als wir im Vorfeld angenommen haben", sagte Professor Alexander Katalinic, Leiter der Registerstelle des Krebsregisters.

Dies gilt auch für sozial und wirtschaftlich bessergestellte und benachteiligte Regionen. Obwohl bekannt ist, dass der soziale Status Einfluss auf das Erkrankungsrisiko haben kann, zeigen sich im Norden nur schwach ausgeprägte Unterschiede.

Besonders gering sind die Abweichungen zwischen den Regionen beim Brustkrebs. Laut Gesundheitsministerium spricht dies für eine gleichmäßige onkologische Versorgung. "Dies könnte mit der seit 2005 eingeführten Qualitätsgesicherten Mammadiagnostik (QuaMaDi), dem Mammographiescreening (seit 2008) und den zertifizierten Brustzentren zusammenhängen", hieß es aus dem Ministerium. Unterschiede zwischen den Regionen zeigen sich bei einigen anderen Krebsarten:

Malignes Melanom im Fokus

Beim malignen Melanom der Haut gibt es in den südöstlichen Regionen des Landes höhere Erkrankungsraten als im Rest des Landes. In der betroffenen Region liegen die Raten für Männer bei 22,2 Erkrankungen je 100 000 Einwohner (landesweit bei 17,5) und für Frauen bei 25,6 (19,3).

Im Südosten des Landes ist die durchschnittliche Sonneneinstrahlung ebenfalls höher als in den anderen Regionen Schleswig-Holsteins. Ob hierin die Ursache für die höheren Erkrankungsraten liegt, müssten aber weitergehende Untersuchungen klären, so das Ministerium.

Für Leukämien und Lymphome gibt es rund um die Landeshauptstadt Kiel höhere Erkrankungsraten und zugleich die günstigsten Überlebensraten. Dies deutet auf eine frühere und häufigere Diagnose hin, was wiederum zu besseren Überlebenschancen führt. In Kiel erkranken 51,1 von 100 000 Männern und 34,5 Frauen an Leukämie und Lymphomen, landesweit sind es dagegen 43,2 bzw. 29,5.

Was bewirkt der PSA-Test

Für Prostatakrebs besteht in einigen Kreisen wie etwa Pinneberg ein geringeres Erkrankungsrisiko, zugleich aber eine niedrigere Überlebensrate. Die Studienautoren vermuten, dass dies auf eine unterschiedliche Anwendung des PSA-Tests als Früherkennungsuntersuchung zurückgeführt werden könnte.

Frühformen des Prostatakrebses finden sich vor allem in Regionen, in denen dieser Test häufig Anwendung findet. Weil besonders viele prognostisch günstige Tumoren gefunden werden, steigt die Überlebensrate.

Mit Interpretationen der festgestellten Unterschiede sind die Veranwortlichen bisher zurückhaltend. "Neben individuellen, genetischen und Umweltfaktoren spielen auch Erfassungsfaktoren, Wanderungseinflüsse und lokale Besonderheiten (etwa ein überregionales Altenheim) eine Rolle", heißt es im Atlas. Diese könne aber der Generierung von Hypothesen dienen.

[13.07.2016, 14:57:37]
Heidemarie Heubach 
AKW-Nähe - warum unberücksichtigt ?
Ein Schelm, der sich bei o.g. Frage wundert ? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »