Direkt zum Inhaltsbereich

Krebs

Eindringliche Gespräche erreichen Patienten häufig nicht

Patienten mit Krebs in fortgeschrittenem Stadium schätzen ihre Chancen im Durchschnitt positiver ein als ihre Ärzte. Die wenigsten Patienten sind sich über diesen Umstand im Klaren.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Trotz gründlicher Erörterung werden viele Ärzte von Krebskranken nicht richtig verstanden.

Trotz gründlicher Erörterung werden viele Ärzte von Krebskranken nicht richtig verstanden.

© Gang./ fotolia.com

BURLINGTON. Was kommt dabei heraus, wenn man unheilbar kranke Krebspatienten und unabhängig von ihnen ihre Ärzte danach fragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Patienten in zwei Jahren noch am Leben sind? Dies war die Fragestellung, der ein US-Forscherteam um den Palliativmediziner Robert Gramling vom University of Vermont Medical Center in Burlington im Zuge einer Querschnittstudie nachgegangen ist (JAMA Oncol 2016, online 14. Juli). Die Forscher befragten dafür 236 Patienten (Durchschnittsalter 65 Jahre) und deren 38 Onkologen.

Differenzen in 68 Prozent der Fälle

Der Vergleich der Antworten ergab bei 161 Patient-Arzt-Paaren (68 Prozent) eine Differenz in der prognostischen Einschätzung. In 144 dieser 161 Fälle (89 Prozent) war den Patienten die Abweichung der eigenen Einschätzung von der ihres Arztes nicht bekannt. Und 155 der 161 Patienten (96 Prozent) sahen ihre Prognose in günstigerem Licht als ihre Ärzte.

Dabei gaben die behandelnden Onkologen von 222 Patienten an, sie hätten die Prognose ausführlich mit den Betroffenen erörtert. Und auch 204 Patienten äußerten sich entsprechend. An den unterschiedlichen Einschätzungen der Prognose ärztlicherseits und seitens der Patienten änderten den Studienergebnissen zufolge aber selbst ausführliche Gespräche nichts. Selbst bei 83 der 161 nicht übereinstimmenden Patient-Arzt-Paare (52 Prozent) gaben die Mediziner an, die Patienten vollständig über deren Prognose aufgeklärt zu haben.

Missglückte Kommunikation

Die Resultate weisen auf eine missglückte Kommunikation zwischen Ärzten und ihren Patenten hin. Das zeigt besonders der hohe Anteil von Patienten, die nicht einmal wussten, dass ihre prognostischen Annahmen von jenen ihrer Ärzte abwichen. Hinzu kommt, dass praktisch alle nicht mit ihren Ärzten übereinstimmenden Patienten in Therapieentscheidungen einbezogen werden wollten. 113 (70 Prozent) machten sich zudem Gedanken über die Aufnahme einer Palliativversorgung. In ihrem Kommentar zur Studie zeigen sich die Radiologen und Onkologen Jeffrey Robinson (Portland/Oregon) und Reshma Jagsi (Ann Arbor/Michigan) über die vielen Fälle von Nichtübereinstimmung trotz gründlicher Erörterung der Prognose ernüchtert. Sie weisen darauf hin, dass eine zu optimistische Einschätzung ihrer Prognose Patienten dazu verleiten kann, palliativen Maßnahmen ein kuratives Ziel zu unterstellen und insgesamt eine aggressive Vorgehensweise zu bevorzugen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar auf Seite 2

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Fortgeschrittenes kleinzelliges Lungenkarzinom

Galenus-Preis 2026: Imdylltra® gewinnt in der Kategorie Specialist Care

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: ASTRUM-005-Studie: Finale Analyse des Gesamtüberlebens (OS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

Serplulimab beim ES-SCLC

Aus Evidenz wird eine starke Leitlinienempfehlung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Accord Healthcare GmbH, München
Abb. 1: Strukturierter Ablauf der CAR-T-Zelltherapie, in sektorübergreifender Zusammenarbeit zwischen Zentrum und zuweisender Praxis

© Janssen-Cilag

CAR-T-Zelltherapie mit Cilta-cel

Frühzeitige Zuweisung und strukturierte Patientensteuerung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt

Lesetipps
Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026 in der Kategorie Specialist Care:

© Marc-Steffen Unger

Fortgeschrittenes kleinzelliges Lungenkarzinom

Galenus-Preis 2026: Imdylltra® gewinnt in der Kategorie Specialist Care