Erster Krebsbericht

Früherkennung und bessere Medikamente zeigen Wirkung

Mit der älter werdenden Bevölkerung steigt die Zahl der Krebspatienten, aber demographiebereinigt geht die Erkrankungsrate sogar leicht zurück.

Julia FrischVon Julia Frisch Veröffentlicht:
Die Medizin hat bei Krebs erstaunliche Fortschritte gemacht.

Die Medizin hat bei Krebs erstaunliche Fortschritte gemacht.

© Springer Medizin

BERLIN. Aufgrund der alternden Gesellschaft sterben heute zwar mehr Menschen an Krebs als 1980. 2014 waren es 224 000 Männer und Frauen, die einem Krebsleiden erlagen, 35 Jahre zuvor lag die Zahl bei 193 000.

Als "großen Erfolg" wertet es jedoch der Präsident des Robert Koch-Instituts, Professor Lothar Wieler, dass im gleichen Zeitraum die Lebenserwartung für Krebspatienten gestiegen ist. Sie werden im Schnitt 74 Jahre alt, vor 35 Jahren waren es vier Jahre weniger.

Der RKI-Präsident hatte am Dienstag gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Berlin den ersten Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland vorgestellt.

Fortschritte in der Medizin

Das seien Erfolge, die auf Fortschritte in der Medizin, auf individuellere Therapien sowie auf Prävention und Früherkennungsuntersuchungen zurückzuführen sind. Vor allem bei Gebärmutterhals- und Darmkrebs zeige sich, dass sekundäre Prävention frühe Therapierfolge ermöglichten und dadurch die Überlebensrate "massiv" steige, sagte Wieler.

In Bezug auf das Mammographie-Screening lässt der Bericht "Hinweise für einen positiven Effekt dieser Maßnahme" erkennen. Seit 2011 liege die Neuerkrankungsrate für bei Diagnosestellung bereits fortgeschrittene Tumoren in der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren unter derjenigen vor Einführung des Programms.

Beim Hautkrebsscreening sei dagegen beim Malignen Melanom noch kein Rückgang der fortgeschrittenen Stadien zu erkennen. Trotz aller Erfolge, so Lothar Wieler, bleibe der Krebs in den kommenden Jahrzehnten eine ernste und bedrohliche Krankheit.

482 500 Menschen erkrankten 2013 in Deutschland an Krebs, fast doppelt so viele wie 1970. Bereinigt man die Statistik um die demografische Veränderung, ist die Erkrankungsrate allerdings erstmals seit 2008 leicht rückläufig. Vor allem bei Krebserkrankungen des Magens und des Darms.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Zudem erkranken weniger Männer an Lungenkrebs, weil die Zahl der Raucher zurückgegangen ist. Ähnliches sei langfristig auch beim Gebärmutterhalskrebs zu beobachten. Dagegen steigen die Erkrankungsraten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs und bösartigen Leber-Tumoren.

Die Bekämpfung des Krebses bleibe die größte Herausforderung für das Gesundheitssystem, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung müsse ein Fokus in der Zukunft auf der Verbesserung der Lebensqualität liegen.

Der "sprechenden Medizin" sei zudem mehr Zeit einzuräumen. Das Ministerium fördere deshalb einen Musterlehrplan, der Medizinstudenten die Fähigkeit vermitteln soll, "einfühlsamer mit Patienten zu sprechen". Ein ähnliches Projekt starte jetzt auch im Pflegebereich .

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: "Bericht zum Krebsgeschehen": Krebstherapie im Umbruch

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