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Onkologie

Ernährung bei Krebs – Durchblick im Empfehlungs-Wirrwar

Wie steht es mit der Ernährung im Falle einer Krebserkrankung? Wer diese Frage beantworten will, muss einen Dschungel an verschiedenen Antworten durchforsten. Die "Ärzte Zeitung" gibt Rat.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Wieviel Zufuhr an Energie und essenziellen Nährstoffen benötigen Krebspatienten?

Wieviel Zufuhr an Energie und essenziellen Nährstoffen benötigen Krebspatienten?

© Gina Sanders

ERFURT. Die Bedeutung der Ernährung krebskranker Menschen werde unterschätzt, kann man immer wieder lesen. Wie diese Ernährung auszusehen habe, dazu gehen die Meinungen auseinander. Da befürworten die einen zum Beispiel eine ketogene oder kohlenhydratarme Diät bei Mammakarzinom unter der Vorstellung, der Glukose-Entzug schädige die Tumorzellen.

Dementsprechend würde der Fettanteil der Ernährung bei bis zu 90 Prozent liegen. Andererseits geht aus der WHI-Studie hervor, eine fettreduzierte Ernährung mindere die Zahl brustkrebsbedingter Todesfälle und reduziere signifikant die Gesamtmortalitätsrate. Was ist nun richtig?

Mangelernährung häufig

Man solle auch im Falle einer Krebserkrankung "so schlank wie möglich innerhalb des Normalgewichtsbereichs" bleiben, empfiehlt der World Cancer Research Fund (WCRF). Andere empfehlen Fasten als Nebenwirkungsmanagement bei platinbasierter Chemotherapie (BMC Cancer 2016; 16: 360).

Bei den meisten Patienten dürften systemische Entzündungsprozesse mit Insulinresistenz, gesteigerter Lipolyse und erhöhtem Proteinumsatz Ursache für Gewichtsverlust und Mangelernährung sein. Wie sollte man mit all diesen Informationen umgehen?

Oder Stichwort Mikronährstoffe: Der Wert von Nahrungsergänzungsmitteln ist umstritten, wie auch Pro- und Kontra-Sitzungen bei seriösen Veranstaltungen wie dem Internistenkongress zeigen: Evidenz dazu ist offenbar schwer herzustellen, Einigkeit noch weniger.

Im "Hessischen Ärzteblatt" veröffentlichte kürzlich eine Gruppe von Autoren eine Literaturrecherche zur Rolle von Mikronährstoffen in der Onkologie (Hess Ärztebl 2017; 11: 610-614). Fazit: Notwendig ist eine differenzierte Betrachtung. Und: Wo kein Mangel ist, da braucht auch nicht supplementiert werden – gegenteiliges Handeln schadet unter Umständen.

Untergewicht verhindern!

Natürlich kann es kaum falsch sein, eine nach allgemeinen Maßstäben gesunde Kost zu empfehlen. Vor allem aber geht es mit fortschreitender Erkrankung darum, Untergewicht und Mangelerscheinungen zu verhindern: Unterernährte Krebspatienten sterben eher als vergleichbare normalernährte Patienten. Andererseits kann auch ein übergewichtiger Krebspatient lebensstil- und krankheitsbedingt mangelernährt sein.

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) soll sich die Zufuhr an Energie und essenziellen Nährstoffen am individuellen Bedarf orientieren. Um diesen zu ermitteln, existieren Screening-Instrumente. Diese sollen alle vier bis acht Wochen angewandt werden, um rechtzeitig ein Ernährungsproblem zu erkennen, zum Beispiel der NRS (Nutritional Risk Score)-2002 oder MUST (Malnutrition Universal Screening Tool).

Diese und andere Fragebögen in deutscher Fassung lassen sich auf der Internetseite der DGEM herunterladen. Der Zeitbedarf für die Erhebung liegt bei wenigen Minuten. Ganz allgemein gilt es, Muskel- und Fettmasse, Kalorienzufuhr und Eiweißgehalt der Ernährung zu beurteilen.

Laborbestimmung nutzen

Vor der Supplementation von Mikronährstoffen sei die Laborbestimmung empfehlenswert, meinen Privatdozent Ralph Mücke aus Bad Kreuznach und Koautoren in der oben erwähnten Ausgabe des Hessischen Ärzteblatts.

So zeige sich bei Vitamin D ein positiver Einfluss hoher Blutspiegel auf die Prognose bei kolorektalen und Mammakarzinomen sowie aggressiven B-Zell-Lymphomen. Optimale Plasmaspiegel werden mit 40 bis 60 ng/ml (100-150 nmol/l) angegeben.

Zudem sei es empfehlenswert, einen Selen-Mangel vor Beginn der onkologischen Therapie auszugleichen, so die Autoren, und zwar bevorzugt mit anorganischen Präparaten (Selenat, Selenit), weil damit Überdosierungen ausgeschlossen seien. "Dabei sollte ein Selenspiegel im Serum von 100 bis 130 µg/l erreicht werden." Selen werden chemo- und strahlenprotektive Wirkungen zugeschrieben.

Weitere Beispiele: L-Carnithin scheint sich bei Pankreaskarzinom-Patienten günstig auf die Lebensqualität und die Gesamtüberlebenszeit auszuwirken, bei Brustkrebspatientinnen unter Taxan-Therapie allerdings wirkte sich die Supplementation negativ auf die Taxan-induzierte Neuropathie aus.

Viel Kalorien nötig

Für Vitamin C liegen widersprüchliche Daten vor, inwiefern die Supplementation Auswirkungen auf die Mortalität etwa bei Mammakarzinom-Patientinnen hat. Sowohl Vitamin C als auch Vitamin E können die Wirkung von Chemotherapien schwächen.

Von diversen Krebsdiäten von "Heilkost nach Windstosser" bis "Rote-Beete-Kur" warnen Onkologen und Ernährungsmediziner regelmäßig. In der Regel benötigen Krebspatienten eine hochkalorische und eiweißreiche Energiezufuhr von 2500 bis 3000 kcal pro Tag, am besten verteilt auf fünf bis sieben Mahlzeiten, unter Umständen als Trinknahrung.

Die Grundpfeiler einer gesunden Ernährung für Krebspatienten hat das Tumorzentrum München auf seiner Internetseite zusammengefasst. Dort finden sich Empfehlungen wie der übliche Speiseplan der jeweiligen Situation angepasst werden kann oder auch ein Ernährungsblog für Patienten.

Professor Petra Feyer, Strahlentherapeutin am Vivantes Klinikum in Neukölln in Berlin empfiehlt die Zusammenarbeit mit Ökotrophologinnen. Feyers Erfahrung: "Da besteht eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

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