Ärzte Zeitung, 15.02.2013

Urothelkarzinom

Raucher setzen ihrer Blase zu

Rauchen kann nicht nur Blasenkrebs auslösen, sondern je nach Intensität auch dazu beitragen, dass das Malignom aggressiver verläuft.

Starke Raucher setzen ihrer Blase extrem zu

Gruß an die Blase.

© Jovana Dadic / fotolia.com

MIAMI. Im Vergleich zu Patienten mit Blasenkrebs, die wenig rauchen oder geraucht haben, verläuft die Tumorerkrankung bei starken Rauchern offenbar aggressiver.

Einer US-Studie zufolge haben starke Raucher mit Blasenkrebs ein um fast das Sechsfache erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Nichtrauchern.

US-Forscher untersuchten Gewebe von 212 Patienten mit primärem Blasen-Ca histochemisch auf neun Biomarker, unter anderem E-Cadherin, p53 und Bcl-2. Zudem ordneten sie die Patienten je nach Intensität des Rauchens drei Gruppen zu.

Gruppe 1: Nichtraucher oder Patienten, die maximal 20 Zigaretten pro Tag maximal 30 Jahre lang rauchten, Gruppe 2: Patienten, die 31 bis 40 Jahre lang oder mehr als 20 Zigaretten für höchstens 30 Jahre rauchten, und Gruppe 3: Patienten, die länger als 40 Jahre rauchten.

Im Median waren die Patienten 58,9 Jahre alt (zwischen 30,5 und 64,9 Jahre). Das Follow-up lag median bei 13,2 Jahren (zwischen 0,5 und 20 Jahren). In diesem Zeitraum starben 90 Patienten (42 Prozent).

Bei 139 Patienten waren Tumorzellen noch nicht in die Muskulatur gewandert, bei 55 Patienten wurden sie im Muskel nachgewiesen, und bei 18 Patienten waren sie in Lymphknoten metastasiert.

Steigende Sensitivitäts-/Spezifitätskurve

Im Vergleich zur Gruppe der Nichtraucher und der Patienten, die selten und maximal 30 Jahre lang rauchten, hatten starke Raucher in Gruppe 3 ein relatives Sterberisiko von 5,76. Die Analyse der Biomarker ergab, dass p53, E-Cadherin und p21 signifikant mit fortgeschritteneren Tumorstadien assoziiert waren (Cancer 2013; online 14. Januar).

Um den Zusammenhang der Biomarker mit der Prognose zu analysieren, fassten die Wissenschaftler die Patienten in jeweils einer von drei Gruppen zusammen, und zwar jene, bei denen maximal drei Marker, vier oder fünf sowie sechs bis neun Marker verändert waren.

Die Prognose war umso schlechter, je mehr Biomarker verändert waren. Am schlechtesten schnitten Patienten mit Veränderungen in sechs bis neun Biomarkern ab - egal welche Marker.

Dieser Zusammenhang blieb in einer Multivarianzanalyse bestehen, die auch Dauer und Intensität des Rauchens einschloss. Der Befund stützt die Hypothese, dass bei der Krebsentstehung das Zusammenspiel mehrerer molekularbiologischer Faktoren entscheidender ist als einzelne Veränderungen in Signalwegen der Zellen.

Wie verlässlich der Vorhersagewert beim Parameter "Überleben" ist, ermittelten die Wissenschaftler mithilfe der ROC-Kurve, wobei außer den neun Biomarkern auch das Alter und mehrere Therapieoptionen berücksichtigt wurden. Das Akronym steht für "Receiver Operating Characteristic".

Bestimmt wird dabei die Fläche unter der Sensitivitäts-/Spezifitätskurve. Als nutzlos wird in einer solchen Modellrechnung zum Beispiel ein Wert von 50 Prozent beurteilt. Die Genauigkeit der Vorhersage steigt mit einem Wert über 50 Prozent.

Er erreichte in der Analyse 75,6 Prozent und stieg auf knapp 81 Prozent, wenn der Parameter "Rauchen" in die Berechnung einbezogen wurde. (ple)

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