Ärzte Zeitung, 15.03.2004

Neues Konzept beim Bronchial-Ca

Zuerst Chemotherapie, dann Radiochemotherapie / Studie mit mehr als 200 Patienten

FRANKFURT/MAIN (hsr). Patienten mit Bronchial-Ca im Stadium III, die nicht mehr operiert werden können, überleben nach simultaner, moderater Radiochemotherapie mit Paclitaxel fast doppelt so lang ohne Rezidive wie nach alleiniger Strahlentherapie.

Heute gilt der Nutzen einer zusätzlichen Chemotherapie zur Radiatio beim lokal fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) im Stadium III als gesichert, so Professor Rudolph Huber aus München beim Pneumologen-Kongreß in Frankfurt. Dabei sei es Studien zufolge günstiger, beide Behandlungsformen simultan statt sequentiell zu verwenden. Allerdings: Eine voll dosierte, simultane Radiochemotherapie verlängere das progressionsfreie Überleben zwar effektiver als eine sequentielle, aber sie sei toxischer, so Huber bei einem Symposium von Bristol-Myers Squibb.

In einer Phase-III-Studie ist deshalb ein neues Therapiekonzept geprüft worden: Die Kombination von initialer Chemotherapie plus darauf folgender niedrig dosierter, simultaner Radiochemotherapie. Mehr als 200 NSCLC-Patienten erhielten zunächst in zwei Zyklen alle drei Wochen über drei Stunden Paclitaxel (Taxol®) - 200 mg/m2 Körperoberfläche - und Carboplatin. Danach wurde erneut über die Operabilität der Krebskranken entschieden. Diejenigen, bei denen ein Eingriff weiterhin nicht indiziert war, wurden nur bestrahlt oder bekamen zusätzlich zur Radiatio auch eine Chemotherapie mit dem Taxan in verringerter Dosis.

Nach der Induktionstherapie konnten zehn Patienten operiert werden, 115 wurden allein mit Strahlen, 104 zudem mit dem Taxan behandelt. Die Toxizität war - bis auf die in der simultanen Gruppe zwar erhöhte, aber statistisch nicht signifikante Ösophagitisrate - in beiden Behandlungsgruppen ähnlich gering. Als "statistisch hochsignifikant" bezeichnete Huber hingegen die mit simultaner Radiochemotherapie erzielte Verbesserung des progressionsfreien Überlebens. In der Gruppe mit alleiniger Strahlenbehandlung lebten die Patienten im Mittel 6,3 Monate progressionsfrei, in der Gruppe mit simultaner Radiochemotherapie waren es 11,3 Monate.

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