Ärzte Zeitung, 28.02.2006

Rezidivtherapie bei kleinzelligem Lungenkarzinom erfolgreich

Bei fast 90 Prozent der Patienten kommt es nach der Ersttherapie zum Rezidiv / Topoisomerase-Hemmer bringt einen Überlebensvorteil

FRANKFURT AM MAIN (mop). Erstmals ist jetzt nachgewiesen worden, daß eine Rezidivtherapie beim kleinzelligen Lungenkarzinom einen Überlebensvorteil bringt. In der randomisierten Phase-3-Studie war die mittlere Überlebenszeit mit Topotecan in allen Untergruppen nahezu verdoppelt, wie Professor Martin Wolf vom Klinikum Kassel berichtet hat.

Das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC) ist ein aggressiver Tumor: 80 bis 90 Prozent der Patienten bekommen ein Rezidiv. Tritt es binnen drei Monaten nach Ende der Erstlinientherapie auf, gilt das SCLC als therapierefraktär. Der Nutzen einer Rezidivtherapie war dann bisher fraglich.

Insgesamt nahmen 141 Patienten mit "limited" oder "extensive" SCLC an der Studie teil, die jetzt auf der Einführungs-Pressekonferenz des Unternehmens GlaxoSmithKline vorgestellt wurde. Bei ihnen war das Rezidiv ab dem 45. Tag nach Ende einer erfolgreichen Erstlinientherapie aufgetreten. Sie erhielten entweder vier Zyklen Topotecan oral (2,3 mg/m2) über 5 Tage plus Best Supportive Care (BSC) oder BSC alleine.

Die mit Topotecan behandelten Patienten hatten eine fast doppelt so lange mittlere Überlebenszeit wie Patienten im BSC-Arm, und zwar 25,9 Wochen versus 13,9 Wochen. Verdoppelt hatte sich auch die Überlebensrate nach 6 Monaten (48,8 versus 25,7 Prozent). Von klinischer Bedeutung ist, daß auch Patienten mit ungünstiger Prognose profitierten, betonte Wolf. So betrug die mediane Überlebenszeit der Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand im Topotecan-Arm 20,9 im Vergleich zu 7,7 Wochen im BSC-Arm. Und sowohl den Patienten mit frühem Rezidiv als auch denjenigen mit einer therapiefreien Zeit von mehr als 60 Tagen brachte die Behandlung einen Überlebensvorteil.

Der Vorteil der Topotecan-Behandlung bestand auch in den Untergruppen der Frauen, der Männer oder der Patienten mit Lebermetastasen. Mit dem Wirkstoff nahm die Lebensqualität der Patienten deutlich weniger ab als mit BSC. Wesentliche unerwünschte Wirkungen waren Neutropenie und Thrombozytopenie. Diese hämatologischen Toxizitäten waren aber nicht kumulativ und wurden im Therapieverlauf eher seltener. Topotecan (Hycamtin®) hat bereits im Januar von der Europäischen Zulassungsbehörde EMEA die erweiterte Zulassung für die Therapie beim rezidivierten kleinzelligen Lungenkarzinom erhalten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »