Ärzte Zeitung, 05.07.2006

Zweitlinien-Therapie mit Docetaxel nützt bei Bronchial-Ca

Therapie mit dem Taxan bessert den Allgemeinzustand / Längere Lebenszeit bei einwöchiger statt dreiwöchiger Applikation

TIMMENDORFER STRAND (awa). Nach Versagen einer Chemotherapie profitieren Patienten mit fortgeschrittenem und metastasiertem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) von einer Zweitlinien-Therapie mit Docetaxel. Die wöchentliche Applikation ist dabei weniger toxisch als die Applikation einer hohen Dosis alle drei Wochen.

Röntgenbild der Lunge eines Patienten mit Rezidiv eines nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms (rechter Lungenflügel). Foto: Professor Wolfgang Schütte, Halle

"Vor zehn Jahren gab es noch keinen Hinweis darauf, daß Patienten mit fortgeschrittenem, nicht resezierbarem NSCLC in irgendeiner Weise von einer Zweitlinien-Chemotherapie profitieren. Mittlerweile wird für diese Patienten etwa Docetaxel (Taxotere®) nach Versagen einer platinhaltigen Ersttherapie empfohlen", sagte Professor Wolfgang Schütte aus Halle.

So verbesserte Docetaxel nach durchschnittlich drei Zyklen in zwei großen Studien im Vergleich sowohl zu Best Supportive Care (bestmögliche symptomatische Therapie) als auch zu Vinorelbin oder Ifosfamid den Allgemeinzustand. Die Patienten verloren kaum Gewicht, und sie benötigten weniger Schmerzmittel.

Das gelte auch für Patienten mit initial schlechtem Allgemeinzustand, sagte Schütte auf einer Veranstaltung des Unternehmens Sanofi-Aventis in Timmendorfer Strand. Deshalb könne heutzutage keinem Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC nach Versagen einer ersten Chemotherapie eine weitere Behandlung mehr verweigert werden.

Zudem kann die Verträglichkeit der Docetaxel-Therapie verbessert werden, wenn statt alle drei Wochen 75 mg/m2 einmal in der Woche 35 mg/m2 Körperoberfläche gegeben wird, und zwar sechs Wochen lang mit einer Woche Pause in der vierten Woche. In einer Studie mit 208 Patienten war die wöchentliche Verabreichung genauso wirksam, verursachte aber deutlich weniger schwere hämatologische unerwünschte Wirkungen wie Anämie und Leukopenie.

Die Ansprechrate lag mit der dreiwöchigen Applikation bei 10,5 Prozent und mit der wöchentlichen Gabe bei 12,6 Prozent. Im Median lebten die Patienten noch 6,3 Monate bei dreiwöchiger und 9,2 Monate bei wöchentlicher Applikation. Nach einem Jahr lebten noch 26 Prozent mit dreiwöchiger versus 39,5 Prozent bei wöchentlicher Therapie.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »