Ärzte Zeitung, 11.06.2014

Forschung

Neues Modell für Tumoren der Atemwege

Ein neues Lungenmodell erleichtert die Forschung zu Lungen-Ca-Therapien. Es soll auch die Zahl von Tierversuchen mindern.

WÜRZBURG. "Zwar sind Tiere die besten Modelle, die wir zurzeit haben: Dennoch versagen beim Menschen 75 Prozent der Medikamente, die im Tierversuch positiv getestet wurden", erklärt Professor Heike Walles. Sie leitet die Würzburger Projektgruppe "Regenerative Technologien für die Onkologie" des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB.

Mit einem neuartigen dreidimensionalen Testsystem bauen die Forscher menschliche Lungen im Miniformat nach - mit 1 x1 x 0,5 Zentimetern sind sie nicht größer als ein Zuckerstückchen. Gleichzeitig simulieren die Kollegen am Lehrstuhl für Bioinformatik der Universität Würzburg die Therapie für die jeweiligen Patientengruppen auf dem Computer.

Denn tragen die Patienten genetische Veränderungen in sich, sprechen Therapien oft nicht wie gewünscht an. Durch den Vergleich der theoretischen Modelle mit den biologischen können beide Forschergruppen, ihre Voraussagen optimieren.

Das biologische Testsystem basiere auf menschlichen Lungentumor-Zellen, teilt das Institut mit. Diese wachsen auf einem Gerüst aus Bindegewebe. So entsteht eine künstliche Lunge. Ein Bioreaktor lasse diese atmen und pumpt Nährmedium durch die Blutgefäße. Mit Hilfe des Reaktors lasse sich sogar einstellen, wie schnell und wie tief die Atmung ist.

"Therapien, die in der Klinik zu Resistenzen führen, tun dies auch in unserem Modell", wird Walles zitiert. Ziel der Forscher ist es jetzt, mit ihrer künstlichen Lunge neue Therapeutika auszutesten. Langfristig sei es sogar denkbar, für jeden Patienten ein eigenes Lungenmodell zu erstellen, so das Institut.

Dann ließe sich genau vorhersagen, welche Therapien bei eben diesem Patienten ansprechen und welche nicht.Neue Medikamente zu testen, ist allerdings nicht die einzige Anwendung des Lungenmodells. Es soll den Forschern auch dabei helfen, die Bildung von Metastasen zu verstehen. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »