Ärzte Zeitung, 20.05.2008

INTERVIEW

"Der Trend zur Impfung gegen Papillomviren ist ungebrochen"

Nach zwei Todesfällen in zeitlicher Nähe zur Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) sind viele Eltern verunsichert. "Mit guten Argumenten kann man die Mädchen und die Eltern nach wie vor von der HPV-Impfung überzeugen", sagte die Kinderärztin Dr. Ursel Lindlbauer-Eisenach im Gespräch mit Ingrid Kreutz von der "Ärzte Zeitung".

 "der trend zur impfung gegen papillomviren ist ungebrochen"

Genau das richtige Alter für die HPV-Impfung: Jugendliche wird gegen Papillomviren geimpft.

Foto: Sanofi Pasteur MSD

Ärzte Zeitung: Wie stark ist nach den Medienberichten über die beiden Todesfälle die Nachfrage nach dem HPV-Impfschutz und die Akzeptanz zurückgegangen?

 "Der Trend zur Impfung gegen Papillomviren ist ungebrochen"

ZUR PERSON
Dr. Ursel Lindlbauer-Eisenach ist niedergelassene Kinder- und Jugendärztin in München und Mitglied der Impfkommission.

Dr. Ursel Lindlbauer-Eisenach: Der Trend der Mädchen und ihrer Eltern, sich gegen HPV impfen zu lassen, ist nach wie vor ungebrochen. Es kommen aber immer noch verunsicherte Mädchen und deren Mütter in unsere Praxis und fragen, was ist dran an den Meldungen, die durch das Fernsehen und die Publikumsmedien gegangen sind? Mit guten Argumenten konnten wir die Eltern aber stets überzeugen, die Impfung vornehmen zu lassen. Und wir haben bisher auch keine Unterbrechungen einer begonnenen HPV-Impfung zu verzeichnen.

Ärzte Zeitung: Was sagen Sie den Eltern zur Sicherheit der Impfung?

Lindlbauer-Eisenach: Wir versuchen, den Eltern klar zu machen, dass es leider auch bei Jugendlichen jedes Jahr unklare Todesfälle gibt und es daher unweigerlich auch schon mal einen zeitlichen Zusammenhang mit der HPV-Impfung geben muss, wenn wir so viele Jugendliche gegen diese Viren impfen wie im Augenblick. Das leuchtet den Eltern fast immer ein. Zudem haben alle Fachgesellschaften keinen Zusammenhang mit der Impfung bei den zuvor genannten beiden Todesfällen gesehen. Wir sagen ihnen aber auch, dass sie die Möglichkeit haben, sich im Internet auf der Homepage des Paul-Ehrlich-Instituts über unerwünschte Nebenwirkungen des HPV-Impfstoffes zu informieren. Viele Eltern sind dankbar für den Hinweis und machen das dann.

Ärzte Zeitung: Kann auch derzeit noch die zweite oder dritte HPV-Impfung nachgeholt werden, auch wenn die erste oder zweite Impfung bereits im vergangenen Jahr oder Anfang dieses Jahres erfolgte?

Lindlbauer-Eisenach: Sie können jederzeit die zweite oder dritte Impfung nachholen, weil das Immunsystem keine Impfung vergisst. Auch nach einem Jahr oder nach zwei Jahren ist das noch möglich. Die vollständige Grundimmunisierung ist wie bei allen Impfungen auch bei der HPV-Impfung wichtig, um den vollen Impfschutz zu erlangen.I

Infos im Web: www.pei.de - Stellungnahme der deutschen Zulassungsbehörde und www.emea.europa.eu - Statement EU-Arzneimittelbehörde, suche mit "statement of the safety"

ZUR PERSON

Dr. Ursel Lindlbauer-Eisenach ist niedergelassene Kinder- und Jugendärztin in München und Mitglied der Impfkommission.

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