Ärzte Zeitung, 04.02.2010

Weltkrebstag: Impfschutz im Fokus

Deutsche Forscher plädieren für mehr Prävention / Impfraten gegen Gebärmutterhalskrebs sinken

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Ein kleiner Pieks kann vor Krebs-erregenden Infektionen schützen. © Frank Müller / imago

HEIDELBERG (bd/eis). Jede fünfte Krebserkrankung weltweit hängt mit einer Infektion zusammen. Aus Anlass des heutigen Weltkrebstages plädieren Krebsforscher daher dafür, Impfungen gegen krebsverursachende Erreger wie Hepatitis-B-Viren und Humane Papillomviren (HPV) in Deutschland besser zu nutzen.

Besonders die Impfraten gegen HPV gehen zurück, und sie sind mit 20 bis über 40 Prozent in den Bundesländern sehr verschieden, beklagte der Nobelpreisträger Professor Harald zur Hausen bei einer Veranstaltung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Der Virusforscher plädiert dafür, nicht - wie bisher empfohlen - nur Mädchen, sondern auch Jungen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren gegen HPV zu impfen.

Jungen seien zum einen HPV-Überträger, zum anderen hätten auch Männer ein Krebsrisiko durch HPV, etwa für Krebs im Analbereich und im hinteren Rachenraum. Mit den verfügbaren Impfstoffen gegen HPV 16 und 18 - den Haupterregern für Zervixkarzinome - könnten bis zu 80 Prozent dieses Krebses verhindert werden, so zur Hausen. Impfstoffe gegen weitere krebserregende HPV-Typen werden in klinischen Studien erprobt. Mit neunvalenten Impfstoffen lasse sich der Krebsschutz nochmals um zehn Prozent steigern, so zur Hausen.

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Der Virusforscher räumte ein, dass sich ein Rückgang der Zervixkarzinome durch die Impfung bisher noch nicht habe nachweisen lassen. Zwischen Infektion und Krebsausbruch liegen nämlich 15 bis 25 Jahre, hielt er Kritikern entgegen, und Daten zur HPV-Impfung habe man erst seit etwa acht Jahren.

Verhindert wurden in den Studien aber hochgradige HPV-Läsionen. Durch den Schutz vor solchen essenziellen Krebsvorstufen sei es naheliegend, dass man durch die Impfung auch den Krebs verhindern könne. Die Nebenwirkungen der Impfung - vorwiegend allergische Reaktionen - bezeichnete zur Hausen als "extrem gering". Beschriebene Todesfälle hätten nicht in direktem Zusammenhang mit der Impfung gestanden.

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