Ärzte Zeitung, 03.05.2010
Dünnschichtzytologie immer beliebter

Patientin bei einer Zervixvorsorgeuntersuchung. Wie etwa in Großbritannien ist die Teilnehmerrate in Deutschland gestiegen. © Klaro
Es werden bis zu dreimal mehr Vorstufen des
Zervixkarzinoms gefunden, wenn anstatt des konventionellen
Papanicolaou-Tests eine Dünnschichtzytologie mit
Computer-assistiertem Vorscreening der Präparate vorgenommen
wird.
Von Thomas Meißner
DÜSSELDORF. Der
Vorteil durch die Dünnschichtzytologie mit
Computer-assistiertem Vorscreening der Präparate wurde in der
Rhein-Saar-Studie mit mehr als 20 000 Frauen dokumentiert. Mit
der manuellen Dünnschichtzytologie fanden die
Gynäkologen signifikant mehr histologisch bestätigte
Zelldysplasien im Vergleich zur konventionellen Zytologie, so zum
Beispiel 2,7-mal mehr zervikale intraepitheliale Neoplasien vom Grad I
(CIN I) und dreimal mehr CIN-III-Veränderungen. Das sagte
Privatdozent Hans Ikenberg aus Frankfurt am Main beim
Fortbildungskongress der Frauenärztlichen Bundesakademie. Bei
Computer-assistierter Auswertung der Abstriche mit dem
ThinPrep®-Imaging-System betrug die
Sensitivitätssteigerung sogar das 3,2- und 3,6-Fache, ohne
dass im Vergleich an Spezifität eingebüßt
wurde.
Der Rechner nutzt optische Algorithmen
Das Computer-assistierte Vorscreening kombiniert nach Angabe
von Ikenberg zwei Vorteile: die ermüdungsfreie Suche nach
seltenen Ereignissen und die Überlegenheit des Menschen bei
der Interpretation und abschließenden Bewertung der
zellulären Veränderungen. Der Rechner nutzt optische
Algorithmen, um abnorme Zellen mit großen und sehr dunklen
Zellkernen zu finden. Erkennt das Gerät Gesichtsfelder mit
vermutlich abnormen Zellen, werden diese von der Zytologieassistentin
elektronisch markiert und können im Folgenden gezielt
begutachtet werden. Der Scanvorgang bei einem Präparat erfolgt
innerhalb von vier Minuten.
Verfahren ist bereits in vielen Ländern etabliert
In der Studie hatten Gynäkologen Zervixabstriche nach
der Pap-Färbung beurteilt oder die Proben an erfahrene
Zytologen in Köln geschickt. Dort waren die Abstriche als
Dünnschichtpräparate geblindet sowohl manuell als
auch computerunterstützt ausgewertet worden.
PapIIID*-Veränderungen etwa waren manuell bei 218 von etwa
11 000 Frauen gefunden worden (1,9 Prozent), mit Hilfe des
Computers bei 261 Frauen (2,3 Prozent). Zum Vergleich: In den
teilnehmenden Gynäkologiepraxen, die jeweils mindestens 1000
Patienten in die Studie aufnehmen mussten, waren mit konventioneller
Zytologie lediglich bei 0,67 Prozent der Frauen
Pap-IIID-Veränderungen festgestellt worden.
Die Dünnschichtzytologie hat sich in vielen
Ländern bereits als Standard etabliert. In den USA werden
darüber hinaus bereits die Hälfte der Untersuchungen
mit Computerassistenz vorgenommen - dort liegt seit 2003 eine
FDA-Zulassung für das Verfahren vor. Es gab in der
Vergangenheit jedoch auch Kritiker, die in den publizierten Studien
keine Belege für eine erhöhte Sensitivität
und Spezifität gesehen haben. Daten aus Deutschland gab es
bislang nicht.
Die Beteiligung an der Zervix-Ca-Vorsorge sei in den
vergangenen Jahren gestiegen, konstatierte Ikenberg. Mit
Teilnehmerraten von etwa 85 Prozent liege man mit
Großbritannien oder den Niederlanden gleich auf. Dennoch sei
hierzulande die Zervix-Ca-Inzidenz mit 13 pro 100 000
Einwohner deutlich höher als in diesen Ländern.
"Weder Steigerungen der Teilnehmerraten, noch Verbesserungen der
konventionellen Zytologie lassen Fortschritte in der
Früherkennung erwarten", so Ikenberg. Man brauche sensitivere
Methoden. Resultate der geplanten Kosten-Nutzen-Analyse der neuen Daten
aus Deutschland stehen noch aus.
*Pap IIID: leichte bis mittelschwere Zelldysplasien,
aus denen sich Präkanzerosen entwickeln können.