Ärzte Zeitung, 22.03.2012

Zervixkarzinom-Screening rettet Leben

Frauen mit Gebärmutterhalskrebs, die zum Screening gegangen sind, leben länger als jene, die es vernachlässigt haben. Durch die frühe Diagnostik sterben sie außerdem seltener an diesem Tumor.

Von Christine Starostzik

Zervixkarzinom-Screening rettet Leben

Nehmen Patientinnen regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen teil, haben sie im Falle eines Zervixkarzinoms bessere Heilungschancen.

© blickwinkel / imago

NEU-ISENBURG. Frauen, die regelmäßig an einem Screening teilnehmen, leben im Falle eines Zervixkarzinoms nicht nur länger, sie haben auch eine höhere Heilungschance. Mehr als drei Viertel der Frauen, die an diesem Krebs sterben, haben die Empfehlungen zur Früherkennung ignoriert.

Zu dem Ergebnis kam eine prospektive schwedische Studie mit 1230 Frauen, bei denen in den Jahren 1999 bis 2001 die Diagnose "Zervixkarzinom" gestellt worden war (BMJ 2012; 344: e900).

Bei jeder zweiten Frau, die nicht an den empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen teilnimmt, wird schwedischen Erhebungen zufolge, im Falle einer Krebsdiagnose, bereits das FIGO- (International Federation of Gynecology and Obstetrics) Stadium II oder sogar ein höheres Stadium festgestellt.

Bei den meisten Frauen hingegen, die regelmäßig die empfohlenen Untersuchungen durchführen lassen, lautet der Erstbefund Stadium IA (30 Prozent) oder IB (52 Prozent). Doch die Frage lautet: Können aufgrund dieser frühen Diagnosestellung auch tatsächlich mehr Frauen geheilt werden?

Ohne Checks war die Chance auf Heilung verschlechtert

Die schwedische Studie gab Antworten: Fünf Jahre nach der Diagnose waren 440 der 1230 Frauen verstorben, 373 davon an ihrem Krebs. 92 Prozent der Frauen, bei denen im Rahmen eines Screenings ein invasives Zervixkarzinom entdeckt worden war, besiegten den Krebs. Bei ihnen war die Krebsdiagnose ein bis sechs Monate nach einem auffälligen Screening-Befund gestellt worden.

Symptomatische Frauen dagegen, die die Vorsorgeuntersuchungen nicht entsprechend den nationalen Empfehlungen wahrgenommen hatten, schafften seltener eine Heilung. Empfohlen wird der Pap-Test für Frauen zwischen 23 und 50 Jahre alle drei Jahre, für Frauen zwischen 51 und 60 Jahren alle fünf Jahre.

Hatten sie je nach Alter, wenigstens in den vergangenen dreieinhalb oder fünfeinhalb Jahren an einem Screening teilgenommen, lag ihre Chance noch bei 74 Prozent. Von den Patientinnen, denen Vorsorgeuntersuchungen allerdings gänzlich fremd waren, wurden nur 60 Prozent wieder gesund.

Im Gegensatz zu dem in Deutschland jährlich empfohlenen Pap-Test ab dem 20. Lebensjahr ähnelt das schwedische Vorsorgeprogramm dem britischen System. Dort wird Frauen bis 49 ebenfalls eine Untersuchung im 3-Jahres-Intervall nahegelegt und danach, bis zu einem Alter von 64 Jahren, im 5-Jahres-Rhythmus.

Vorteil auch bei nicht regelmäßigem Screening

Fazit der Autoren: Auch nach Berücksichtigung verschiedener Störfaktoren ließ die Studie den Erfolg des Screenings nicht nur in Form einer verlängerten Lebenszeit durch die frühe Diagnostik, sondern auch durch die geringere krankheitsspezifische Mortalitätsrate erkennen.

Selbst für die symptomatischen Frauen, die nicht regelmäßig am Screening teilgenommen hatten, zeigte sich ein Vorteil gegenüber denen, die das Thema Früherkennung völlig ignoriert hatten. Die Analysen ergaben, dass der Screening-Effekt insgesamt stärker war, als er durch ein Down-Staging infolge einer früheren Diagnose zu erwarten gewesen wäre.

Bei der Evaluierung von Screening-Programmen sollte der Aspekt der Heilung entsprechend berücksichtigt werden, meinen die Autoren.

Quelle: www.springermedizin.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »